| Rede des Botschafters Ma bei der 20jährigen Jubiläumsfeier |
| 2006/03/14 |
| Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Kathstede, Sehr geehrte Frau Vorsitzende Nieter Meine Damen und Herren, liebe Freunde,
heute ist mein zweiter Besuch in dieser schönen Stadt, um an der 20jährigen Jubiläumsfeier der Gesellschaft für Deutsch-Chinesische Freundschaft in Krefeld teilzunehmen. Die Krefelder GDCF ist eine der ältesten in Deutschland, die sich seit ihrer Gründung für den freundschaftlichen Austausch zwischen beiden Völkern einsetzt und großen Beitrag zur Verständigung und Freundschaft, zur Entwicklung der Beziehungen zwischen beiden Ländern geleistet hat. Dazu möchte ich meine herzliche Gratulation aussprechen und mich besonders bei Frau Nieter für Ihren jahrelangen unermüdlichen und unentbehrlichen Einsatz für die erfolgreiche Arbeit der Krefelder GDCF bedanken. Mein Dank und Respekt gilt auch allen deutschen Freunden, die sich um die chinesisch-deutschr Freundschaft bemüht haben.
Meine Damen und Herren, die chinesisch-deutschen Beziehungen befinden sich in der besten Phase der Geschichte. Das politische Vertrauen zueinander hat sich vertieft, die Zusammenarbeit in internationalen Angelegenheiten wird ausgebaut. Im Rahmen der chinesisch-europäischen strategischen Partnerschaft haben beide Länder eine Partnerschaft in globarer Verantwortung geschlossen. Gegenseitige Besuche der Staats-und Regierungschefs, Dialoge über Politik, Menschenrechte und Rechtsstaat sind in vollem Gange. Auch die Parlamente beider Länder haben einen Mechanismus für regelmäßigen Austausch und Zusammenarbeit entwickelt. In den regionalen und internationalen Angelegenheiten wie Atomfrage von Iran, UN-Reform, Nahost-Frage, Terrorismus-Bekämpfung sowie Nichtverbreitung der Nuklearwaffen haben beide Länder ihre Konsultation und Kooperation intensiviert. Die chinesische Regierung schätzt hoch ein, dass die deutsche Regierung an Ein-China-Politik festhält und gegen die Unabhängigkeit Taiwans eintritt. All dies garantiert eine politische Kontinuität in der stabilen Entwicklung der chinesisch-deutschen Beziehungen.
Die bilaterale Wirtschafts- und Handelszusammenarbeit ist erfolgreich. Das Handelsvolumen betrug im Jahr 2005 63,25 Milliarden USD, fast ein Drittel des China-EU-Handels, mit einer Steigerung von 16,9% im Vergleich zum Vorjahr. Über 2000 deutsche Unternehmen haben in China investiert, mehr als 500 deutsche Firmen haben Niederlassungen oder Tochtergesellschaften gegründet, darunter nicht nur renommierte Großfirmen wie Siemens, BMW, Volkswagen, Bayer und BASF sind von Erfolg in China gekrönt, sondern auch jede Menge mittelständische Unternehmen. Im Zuge der wirtschaftlichen Entwicklung haben auch viele chinesische Unternehmen mit Investitionen im Ausland angefangen. Zur Zeit gibt es knapp 600 Niederlassungen von den chinesischen Firmen in Deutschland, die Gesamtinvestitionen betragen gegen 100 Millionen Euro.
Die bilaterale Zusammenarbeit in Wissenschaft und Technik, Kultur und Bildung sowie Umweltschutz kommt dynamisch voran. Zur Zeit studieren ca. 30.000 junge Chinesen in Deutschland. 350 chinesische und deutsche Universitäten, Hochschulen haben Partnerschaften geschlossen. Um das Verständnis zwischen beiden Völkern zu vertiefen, haben beide Seiten vereinbart, in Berlin und in Erlangen jeweils ein Kunfuzius-Institut zu errichten. Im letzten Jahr haben China und Deutschland gemeinsam die Internationale Tagung für erneuerbare Energie veranstaltet. Beim Staatsbesuch des chinesischen Präsidenten Hu Jintao wurde ein neues Kulturabkommen unterzeichnet, der Grundstein zum chinesischen Kulturzentrum in Berlin wurde gelegt. Gemäß den Vereinbarungen haben China und Deutschland 6mal Rechtsdialog, die erste Sitzung des chinesisch-deutschen Dialogforums und zweimal Umwelt-Forum durchgeführt. Die erfolgreiche Zusammenarbeit der beiden Länder in allen diesen Bereichen ist beiden Völkern zugute gekommen, sie bildet eine solide Grundlage für eine weitere Entwicklung unserer Beziehungen.
Meine Damen und Herren, es ist kein Zufall, dass China und Deutschland sich guter Beziehungen erfreuen können. Es ist vor allem unser gemeinsamer Wunsch und liegt in unserem Grundinteresse, diese Beziehungen langfristig zu pflegen. China legt stets großen Wert auf die wichtige Rolle Deutschlands in Europa und der Welt. Die chinesisch-deutschen Beziehungen haben schon immer einen wichtigen Stellenwert in der Außenpolitik Chinas. Mit Freude stellen wir fest, dass die neue deutsche Regierung unter Bundeskanzlerin Frau Merkel die Kontinuität der China-Politik wahrt und die politische Grundlage der bilateralen Beziehungen solide bleibt. In wichtigen Fragen wie Förderung der Multilateralität, Stärkung der UN teilen beide Länder gleiche Sicht und gemeinsames Interesse. Wirtschaftlich können beide Länder sich gut ergänzen. Deutschland ist weltweit die drittgrößte Wirtschaftsmacht und die stärkste Volkswirtschaft in Europa, die über moderne Technik, starkes Kapital und fortgeschrittenes Management verfügt. China ist das größte Entwicklungsland der Welt und bietet einen Riesenmarkt. Für beide Seiten gilt, das große Potenzial auszuschöpfen. Kulturell respektieren beide Nationen gegenseitig und lernen voneinander. Beide Länder würdigen die Vielfältigkeit der Zivilisationen und treten für ein harmonisches Miteinander der verschiedenen Kulturen und für den Dialog und Austausch ein.
Natürlich bestehen auch Meinungsverschiedenheiten zwischen China und Deutschland, sowohl in Menschenrechtsfrage wie bei der wirtschaftlichen Zusammenarbeit. Meines Erachtens ist das auf die Unterschiede in Gesellschaftsordnung, wirtschaftlicher Entwicklung, kultureller Tradition und Wertvorstellung zurückzuführen. Wichtig ist, daß wir vernünftig mit den Meinungsverschiedenheiten umgehen und sie nicht zum Hindernis für die bilateralen Beziehungen ausarten lassen. Wir sollten vor allem an den Prinzipien der gegenseitigen Achtung und Gleichberechtigung, der Dialoge und Zusammenarbeit festhalten. Die erfolgreichen chinesisch-deutschen Rechtsstaats-Dialoge sind gelungene Beispiele dafür. Ich glaube, wenn wir unter dem strategischen Gesichtspunkt und mit Rücksichtsnahme auf langfristige Interessen beider Länder die bilateralen Beziehungen betrachten und gestalten, können wir vermeiden, dass die guten Beziehungen nicht wegen der vorläufigen und partiellen Interessen gestört werden.
Vor zwei Wochen hat der Bundesaußenminister Steinmeier China besucht. In zwei Monaten wird die erste China-Reise der neuen Bundeskanzlerin Merkel folgen. Voller Zuversicht sehen wir der Zukunft der chinesisch-deutschen Beziehungen entgegen und haben folgende Zielvorstellungen:
Erstens, das gegenseitige Vertrauen und die Zusammenarbeit zu intensivieren. Zur Zeit beschleunigt sich die Multipolarisierung und Globalisierung. Alle Länder sind konfrontiert mit globalen Herausforderungen wie konventionellen und nicht-konventionellen Sicherheitsproblemen, Nationalitäts-und Religionskonflikten, weltweitem Terrorismus, Verbreitung von Massenvernichtungswaffen, Umweltverschmutzung, Epidemie usw. Es ist geboten, die Multipolarisierung und internationale Zusammenarbeit aktiv zu fördern, die Demokratisierung in den internationalen Beziehungen zu fördern und eine neue, gerechte und vernüftige politische und wirtschaftliche Weltordnung zu schaffen. Dafür muss sich die internationale Gemeinschaft zusammen anstrengen. China und Deutschland als Land mit wichtigem Gewicht in der jeweiligen Region sollten die Konsultationen über internationale und regionale Fragen weiter intensivieren, die Zusammenarbeit in den Vereinten Nationen und in anderen internationalen Organisationen verstärken. Dies entspricht nicht nur den Grundinteressen beider Völker, sondern kommt auch dem Weltfrieden und der Stabilität zugute.
Zweitens, die Wirtschafts-und Handelsbeziehungen quantitativ wie qualitativ auf ein neues Niveau zu erheben. Deutschland ist der Weltmeister im Außenhandel. Leider ist der Anteil Chinas im gesamten deutschen Außenhandel noch sehr gering. Hier besteht noch ein großes Potenzial für die weitere Zusammenarbeit. Die chinesische Wirtschaft befindet sich im anhaltenden Wachstum. Sie wird der Welt noch mehr Chancen bieten und erheblich zur Weltkonjunktur beitragen. Wir begrüßen es sehr, daß noch mehr deutsche Unternehmen nach China kommen und sich dort, insbesondere für ehrgeizige Großprojekte wie Aufbau Westchinas und die Wiederbelebung des alten Industriegebietes in Nordostchina engagieren. Wir hoffen auch, dass die deutsche Seite Maßnahmen ergreift und chinesischen Unternehmen Handel und Investitionen in Deutschland erleichtert.
Drittens, man muss Personen- und Kulturaustausch verstärken, um das gegeseitige Verständnis zu vertiefen. China und Deutschland sind geographisch zwar weit voneinander entfernt, aber die Entfernung hat die Beziehungen und die Freundschaft nicht beeinträchtigen können, mit den modernen Kommunikations- und Tranportmöglichkeiten wird das noch weniger problematisch. Im vergangen Jahr haben mehr als eine Millionen Chinesen Deutschland besucht, in anderer Richtung waren gleich so viele Deutsche in China. Aber im Vergleich zu der riesigen Bevölkerungszahl von 1,3 Milliaden Chinesen und 80 Millionen Deutschen könnte die Besuchszahl mehr werden. Ein chinesisches Sprichwort sagt: Einmal sehen ist besser als hundertmal hören. Wir freuen uns sehr, daß immer mehr Deutsche nach China reisen, und wir wünschen auch, dass mehr Chinesen Deutschland besuchen können.
Zum Schluß möchte ich der Krefelder GDCF weiterhin viel Erfolge bei der Förderung der Beziehungen beider Länder und der Freundschaft beider Völker wünschen. Vielen Dank!
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