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Chinas demographischer Wandel und dessen Auswirkungen auf die Gesellschaft und Wirtschaft


---Rede auf Econsense-Jahrestagung 2006 am 9.November, Berlin

Sehr geehrter Herr Präsident Thumann,

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

Zuerst möchte ich mich beim Herrn Präsident für die Einladung herzlich bedanken, und auch für die Gelegenheit, Sie über den demographischen Wandel in China zu informieren. Ich hoffe, dass mein Vortrag Ihnen einen Einblick über China verschaffen kann .

Demographischer Wandel ist ein zentrales Thema in der internationalen Gemeinschaft. Eine koordinierte und nachhaltige Entwicklung zwischen Bevölkerung, Wirtschaft, Gesellschaft, Ressourcen und Umwelt ist entscheidend für die Zukunft aller Nationen.

China ist das bevölkerungsreichste Land auf der Welt. Einer repräsentativen Umfrage unter 1% Einwohnern im Jahr 2005 zufolge ist die demographische Entwicklung in China durch folgende 6 Merkmale gekennzeichnet:

1. Der stabile Bevölkerungszuwachs.

Seit der fünften Volkszählung vom 1. Januar 2000 ist die Einwohnerzahl in China um 3.2%, also um 40.5 Millionen Menschen, auf 1,307 Milliarden Ende 2005 gestiegen. Jährlich haben wir Im Durchschitt 8,09 Millionen Einwohner mehr.

2. Die Binnenmigration hat weiterhin zugenommen.

Im Vergleich zum Jahr 2000 ist die Zahl der Wanderer von 144 Millionen auf 147 Millionen gewachsen. 2/3 davon sind Wanderer innerhalb einer Provinz.

3. Der Überalterungsprozess hat sich erheblich beschleunigt. Ende 2005 sind 100 Millionen Chinesen mit über 65 Jahren gezählt, die 7.69% der gesamten Bevölkerung ausmachten. Die Zahl der Chinesen mit über 60 Jahren betrug 144 Millionen, was 11.03% der gesamten Bevölkerung bedeutet.

3. Die beschleunigte Urbanisierung.

Ende 2005 lebten 562 Millionen Chinesen in Städten, also 43% von der gesamten Bevölkerung. In jünsten 5 Jahren ist die Urbanisierungsrate jährlich um 1.3% erhöht. Aber im Vergleich zum entwickelten Ländern ist unser Urbanisierungsniveau immer noch sehr niedrig, was sich auf eine schnelle Entwicklung der Volkswirtschaft und die allgemeine Wohlstandvermehrung einschränkend auswirkt.

4. Der Bildungsstand der Bevölkerung hat sich kontinuierlich verbessert.

Der Anteil der Einwohner mit Mittelschulen-Abschluss oder mit noch höherem Abschluss ist grösser geworden,Tendenz weiter steigend. Im Jahr 2005 hatten 67.64 Millionen Chinesen Hochschulen-Ausbildung hinter sich.

5. Die zahlenmässige Unausgewogenheit zwischen Jungen und Mädchen bei Neugeborenen bleibt ernsthaft. Diese Entwicklung einzudämmen, ist eine äußerst dringende Aufgabe vor uns.

Meine Damen und Herren,

Die chinesische Regierung schenkt der demographischen Entwicklung grosse Aufmerksamkeit und hat sie in die gesamte Planung der volkswirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung aufgenommen, wobei wir stets darauf achten, dass das Bevölkerunswachstum im angemessenen Verhältnis zur wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung, zur Ressourcennutzung und zum Umweltschutz stehen sollte. Seit den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts, insbesondere seit der Durchführung der Reform- und Öffnungspolitik, hat China die Familieplanung als Staatspolitik festgelegt und sich das Ziel gesetzt, das Bevölkerungswachstum zu kontrollieren, die Qualität und Bildung der Bevölkerung zu erhöhen. Der Staat fördert " spätere Heirat , spätere Geburt" und tritt für "ein Kind pro Ehepaar " ein .

Nach 30 Jahre langen Bemühungen ist es China gelungen, einen eigenen Weg zur Behandlung der Bevölkerungsfrage zu finden. Ein Kontrollsystem und Verwaltungsmechanismus für die Familienplanung hat sich schrittweise herausgebildet und den marktwirtschaftlichen Rahmenbedingungen angepasst. Dank dieses weltweiten anerkannten Erfolges sind das Existenzrecht, Entwicklungsrecht und wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte der chinesischen Bürger auch besser gewährleistet worden.

Das zu schnelle Bevölkerungswachstum ist effektiv unter Kotrolle gebracht. Die Geburtenrate und das Bevölkerungswachstum sanken jeweils von 33.34 Promille und 25.83 Promille im Jahre 1970 auf 15.23 Promille bzw 8.77 Promille im Jahre 1999. China zählt inzwischen zu Ländern mit niedriger Geburtenrate. China als Entwicklungsland hat in relativ kurzer Zeit den historischen Wandel von "hohe Geburtenrate, niedrige Sterblichkeitsziffer und hohes Wachstum" zu "niedrige Geburtenrate, niedrige Sterblichkeitsziffer und niedriges Wachstum" vollbracht, wofür manche entwicklten Länder mehrere Jahrzehnte bzw. 100 Jahre benötigt haben.

Seit der Durchführung der Familienplanung sind Statistiken zufolge insgesamt um 300 Millionen Chinesen weniger geboren worden, was nicht nur immense staatliche und private Ausgaben reduzierte, sondern auch die Belastung der Umwelt und Resourcen durch übermässig wachsende Bevölkerung verringerte und damit zur wirtschaftlichen Entwicklung und Erhögung des Lebensstandards beigetragen hat.

Im Bildungs- und Gesundheitswesen haben wir auch viel erreichen können. Ende 2000 ist die neunjährige allgemeine Schulpflicht landesweit eingeführt worden und die Alphabetisierung unter Jugendlichen und Einwohnern mittleren Alters wurde im grossen und ganzen realisiert. Die Lebenserwartung erreichte im Jahre 1999 71 Jahre, was dem Niveau eines entwickelten Landes im Mittelfeld entsprach.

China ist ganz bewusst, welche Bedeutung die Lösung der Bevölkerungsfrage in China für eine Stabilisierung der globalen demographischen Entwicklung und eine friedliche Entwicklung in der Welt haben könnte. China hat stets die auf internationalen Konferenzen über Bevölkerungspolitik verabschiedenen Richtlinien und Prinzipien im Zusammenhang mit der chinesischen Gegebenheit umgesetzt. China hat erfolgreich mit internationalen Institutionen wie UNFPA,WHO,IPPF , Regierungen oder nichtamtlichen Organisationen verschiedener Ländern zusammengearbeitet. Diese internationale Zusammenarbeit kann sicherlich auch weiter ausgebaut werden.

Meine Damen und Herren,

in künftigen Jahren wird China eine neue Phase der demographischen Entwicklung erleben. Die chinesische Regierung ist ganz bewusst, daß viele Schwierigkeiten und Herausforderungen vor uns liegen, wie z.B:

--- Die chinesische Bevölkerung wird im folgenden Jahrzehnt weiter jährlich um über 10 Millionen zuwachsen, was eine grosse Herausforderung für die Wirtschaft, Gesellschaft, Ressourcen, Umwelt darstellen und eine nachhaltige Entwicklung erschweren würde.

--- Der relativ niedrige Bildungsstand der Bevölkerung insgesamt kann in kurzer Zeit nicht grundlegend verändert werden und läuft der rapiden Entwicklung der Wissenschaft und Technik in der Welt hinterher.

--- Die heranwachsenden arbeitsfähigen Jugendlichen erzeugen enormen Druck auf den Arbeitsmarkt.

--- Der Eintritt in die überalterte Gesellschaft ohne eine entwickelte Volkswirtschaft insgesamt erschwert den Aufbau eines Sozialabsicherungssystems in China.

--- Die ungleichmässigen gesellschaftlichen und wirschaftlichen Entwicklungen zwischen Regionen werden noch für längere Zeit existieren, und die Aufgabe der Armutbekämpfung bleibt langwierig.

--- Die Wanderarbeiter und deren Familien stellen eine grosse Herausforderung dar, für die staatliche Verwaltung im allgemeinen und die Bevölkerungspolitik im besonderen.

Um der demographischen Entwicklung Herr zu werden, wird die chinesische Regierung auch in Zukunft von den chinesischen Gegebenheiten ausgehen, nämlich große Bevölkerungszahl, knappe Ressourcen pro Kopf sowie das niedrige wirtschaftliche und technishe Niveau. Wir werden von Erfahrungen und wissenschaftlichen Erfolgen aller anderen Ländern lernen und sie mit den chinesischen Gegebenheiten verbinden, um einen Weg chinesischer Prägung fortzuentwickeln. Wir werden uns an die nachhaltige Entwicklung festhalten und die Bevölkerungsprobleme im Prozeß der Entwicklung lösen. Wir werden das Prinzip der Universalität der Menschenrechte mit den chinesischen Gegebenheiten verbinden, dem Existenzrecht und Entwicklungsrecht erste Priorität einräumen und uns bemühen, damit Bürger ihre allgemeinen politischen, wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und kulturellen Grundrechte in vollem Mass ausüben können. Wir werden verschiedene kulturelle Herkunft, Religionen, Wertevorstellungen und Sitten unter der Bevölkerung respektieren. Wir werden auf Grundlage der Entwicklung als erster Priorität und der Ausgewogenheit zwischen Recht und Pflicht unsere Bevölkerungspolitik ausarbeiten und durchführen, damit alle Beteiligten in der Gesellschaft gleiche Entwicklungschancen haben.

Die chinesische Regierung ist auch in Zukunft bereit, gemeinsam mit der internationalen Gemeinschaft zusammen verstärkt um Bewältigung der Bevölkerungsfrage Anstrengungen zu unternehmen, um seinen Teil zum Frieden und zur Entwicklung in der Welt beitragen zu können.

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.



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