| Rede des Botschafters Ma Canrong bei der Frankfurter Gesellschaft für Handel, Industrie und Wissenschaft |
| 2008/11/25 |
Hand in Hand ein neues Kapitel in den chinesisch-deutschen Beziehungen der Zusammenarbeit und des gemeinsamen Gewinnens schreiben --- Rede des Botschafters Ma Canrong bei der Frankfurter Gesellschaft für Handel, Industrie und Wissenschaft (Am 24. September 2008) Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Leisler Kiep, Sehr geehrter Herr Präsident Jürgen Jeske, Meine Damen und Herren, Es freut mich sehr, an dieser Abendveranstaltung der Frankfurter Gesellschaft für Handel, Industrie und Wissenschaft teilzunehmen. Für die freundliche Einladung bedanke ich mich herzlich. Bei dieser Gelegenheit möchte ich Ihnen einen kurzen Überblick über die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung Chinas geben und meine Meinungen zur weiteren Entwicklung der chinesisch-deutschen Beziehungen äußern. Das Jahr 2008 ist ein außergewöhnliches Jahr für China. Am 12. Mai hat das stärkeste Erdbeben mit der schlimmsten Zerstörung und grössten Reichweite seit Gründung der Volksrepublik China 1949 den Kreis Wenchuan der Provinz Sichuan heimgesucht. Die Menschenlebenverluste und Sachschaden sind enorm. Auf einem Bebengebiet von 500 000 Quadratkilometern waren über 80 000 Tote und Vermisste gezählt. Der direkte wirtschaftliche Schaden betrug gegen 900 Milliarden Yuan. Unter Führung der chinesischen Regierung haben sich alle Chinesen zusammengehalten, an der Rettungsaktion teilgenommen und erste Erfolge erzielt. Zur Zeit ist die Ordnung in den Erdbebengebieten im Großen und Ganzen wieder hergestellt worden, die Wiederaufbauarbeit läuft planmäßig. Nach dem Plan der chinesischen Regierung wird alles daran gesetzt, um die Wirtschaft der Katastrophengebiete innerhalb von drei Jahren wieder auf das Niveau vor dem Erdbeben zu bringen. Kurz nach dem Erdbeben haben die deutsche Regierung und das deutsche Volk sofort die helfende Hand ausgestreckt und grosszügig gespendet,unter anderem ein Mobil-Krankenhaus, Wasseraufbereitungsanlagen, Arzneimittel und Zelte. Für diese Hilfe und damit gezeigte Freundschaft zu dem chinesischen Volk möchte ich im Namen der chinesischen Regierung und des chinesischen Volkes der deutschen Regierung und dem deutschen Volk herzlichen Dank sagen! Dieser Dank gilt insbesondere den deutschen Industrie- und Handelskreisen. Das Jahr 2008 ist auch ein Jahr der Olympischen Spiele. Vor einem Monat sind die 29. Olympischen Spiele in Beijing bereits erfolgreich zu Ende gegangen, dank Unterstützung aus aller Welt und aktiver Mitwirkung von 1,3 Milliarden Chinesen. Während der Spiele wurden mehrere Olympia- bzw. Weltrekorde gebrochen. Durch die Olympischen Spiele hat die Welt China besser kennengelernt, das gilt auch umgekehrt. Die Ziele, eine „grüne, wissenschaftlich-technische und menschenfreundliche Olympiade“ in Beijing zu veranstalten, sind erreicht worden. Diese Leistung von China wurde auch von der internationalen Gemeinschaft anerkannt. Herr Roge, der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees, hat gesagt: „Die Spiele in Beijing haben den Standard der Olympischen Spiele insgesamt höher gesetzt und waren wirklich aussergewöhnlich.“ Vor einigen Tagen wurden die Paralympics ebenfalls in Beijing erfolgreich beendet. Ich gratuliere den deutschen Sportlerinnen und Sportlern herzlich zu ihren guten Leistungen auf diesen beiden Spielen. Im Jahr 2008 wird auch das 30jährige Jubiläum der Reform- und Öffnungspolitik in China gefeiert. Dank dieser Politik haben die Wirtschaftsleistung, die gesamte Stärke Chinas sowie der Lebensstandard der Chinesen wesentlich zugenommen. China hat den Wandel von der hoch zentralisierten Planwirtschaft zur dynamischen sozialistischen Marktwirtschaft, von der Abschottung zur umfassenden Öffnung vollzogen. Die chinesische Wirtschaft hat sich kontinuierlich und schnell entwickelt, mit einem durchschnittlichen Jahreswachstum von 9,8%. Der Anteil des Bruttoinlandsproduktes Chinas an der Weltproduktion ist von 1% im Jahr 1978 auf über 5% im Jahr 2007 gestiegen. Das chinesische Im- und Exportvolumen ist durchschnittlich um 16,7% pro Jahr gewachsen und machte im Jahr 2007 ca. 8% des Welthandels aus. China steht in den letzten 15 Jahren an der Spitze der Enwicklungsländer bei der Einführung ausländischer Investitionen. Das Pro-Kopf-Einkommen in China hat sich in den letzten 30 Jahren um das 6-fache erhöht. Die unter Existenzminimum lebende Landbevölkerung wurde von 250 Millionen auf mehr als 10 Millionen reduziert. Auch die Beziehungen zwischen China und der Welt haben sich verändert. Heute ist China Mitglied von mehr als 130 internationalen Organisationen. Über 300 internationalen Konventionen ist China beigetreten. Unter den fünf ständigen Mitgliedern des UN-Sicherheitsrates hat China das grösste Kontigent bei UN-Friedensmissionen gestellt. Gleichzeitig ist es aber uns ganz klar im Kopf, dass China noch immer ein Entwicklungsland ist. Die 1,3 Milliarden Bevölkerung vergrösst sich jährlich um 12 bis 13 Millionen. Chinas Bruttoinlandsprodukt hat sich zwar dem deutschen Niveau genähert, das Pro-Kopf-BIP steht aber am hinteren Platz hinter 100 Ländern der Welt. Jährlich kommen 24 Millionen neue Arbeitskräfte auf den Arbeitsmarkt. In China leben mehr als 82 Millionen Behinderte, fast so viel wie die Einwohnerzahl Deutschlands. Außerdem ist die chinesische Wirtschaft mit Herausforderungen konfrontiert, wie zum Beispiel schwacher Innovationsfähigkeit, irrationeller Wirtschaftsstruktur, extensivem Wachstumsmodell, ungleichmässiger Entwicklung zwischen Stadt und Land bzw. zwischen Regionen, dem immer größer werdenden Einkommensunterschied und dem Widerspruch zwischen der wirtschaftlichen Entwicklung und dem Umweltschutz. In einer langen Zeit wird es Chinas wichtigste Aufgabe bleiben, sich auf die Entwicklung zu konzentrieren, das materielle und kulturelle Lebensniveau der Bevölkerung zu erhöhen. China wird sich anstrengen, bis 2020 eine Gesellschaft mit bescheidenem Wohlstand für alle aufzubauen. China wird weiter an der grundlegenden Staatspolitik der Reform und Öffnung festhalten, die nachhaltige Entwicklung und die Menschen in den Mittelpunkt stellen. Wir werden alle Faktoren berücksichtigen und eine allseitige, koordinierte und nachhaltige Entwicklung der Wirtschaft und Gesellschaft fördern. Genauer gesagt verfolgen wir folgende Ziele: 1. China wird die Entwicklungen besser aufeinander abstimmen, um eine nachhaltige und schnelle Wirtschaftsentwicklung zu ermöglichen. 2. China wird die sozialistische Demokratie ausbauen, um Rechte und Interessen des Volkes besser zu gewährleisten. 3. China wird den kulturellen Aufbau verstärken, um die Bildung und die Zivilisation im ganzen Land zu erhöhen. 4. China wird das Sozialwesen beschleunigt ausbauen, um das Leben der Bevölkerung allseitig zu verbessern. 5. China wird die ökologische Zivilisation aufbauen und grossen Wert auf den sparsamen Umgang mit Energie und Ressourcen und Schutz der ökologischen Umwelt legen. Wir sind davon überzeugt, dass sich Chinas Wirtschaft in Zukunft in größerem Umfang und auf höherem Niveau weiter entwickeln wird. Meine Damen und Herren, Chinas Entwicklung kann sich nicht abgeschottet von der Welt stattfinden, umgekehrt kann sich die Entwicklung der Welt auch nicht von China trennen. Die Reform- und Öffnungspolitik und die Entwicklung Chinas ist nicht nur ein Segen für China selber, sondern auch für Europa und die Welt. In den letzten Jahren hat Chinas Wirtschaft zu 10% zum Weltwirtschaftswachstum und zu 12% zum Welthandel beigetragen. Der große Markt und reichliche Arbeitskräfte haben Unternehmer aus aller Welt nach China angezogen. Damit ist China zu einer wichtigen Produktionsbasis der Welt geworden. Die preiswerten Waren aus China haben Konsumenten der Welt praktische Vorteile gebracht, viele Beschäftigungen sind in den Ländern entstanden, die Wirtschafts- und Handelskooperationen mit China eingehen. Allein seit 2001 hat der Import Chinas in einschlägigen Ländern und Gebieten ca. 10 Millionen Arbeitsplätze geschaffen. Laut Statistik der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) sind heute in Deutschland ungefähr 200 000 Arbeitsplätze vom Export nach China abhängig. China wird weiter an der friedlichen Entwicklung festhalten und ist stets eine wichtige Kraft zur Förderung des Weltfriedens und der Entwicklung in der Welt. Die Entwicklung hat bewiesen und wird beweisen, dass ein stabiles, offenes, wachsendes China für die Welt keine Herausforderung, sondern Gelegenheit, keine Bedrohung, sondern Partner ist. |