| Presseattaché Zhang: Interview von "Frankfurter Rundschau" |
| 2008/05/17 |
| Herr Zhang, zurzeit besucht der Dalai Lama Deutschland. Wie steht China zu diesem Besuch? Der Dalai Lama ist kein normaler Mönch. Er ist ein politischer Exilant, der seit langem - und auch noch unter dem Deckmantel der Religion, der Menschenrechte und der Autonomie - separatistische Aktivitäten gegen China im Ausland betreibt. Die deutsche Regierung hat vor kurzem der chinesischen Regierung gegenüber bekräftigt, dass Deutschland die Zugehörigkeit Tibets zu China anerkennt und die Unabhängigkeitsbestrebungen Tibets nicht unterstützt. Deshalb sind wir entschieden dagegen, dass der Dalai Lama nach Deutschland kommt und hier für seine politischen Ziele wirbt. Warum sucht China nicht zusammen mit dem Dalai Lama eine Lösung für die Tibetfrage, wie das deutsche Politiker fordern? Die Tibetfrage ist eine innere Angelegenheit Chinas. Es wäre eine große Hilfe, wenn niemand in Deutschland dem Dalai Lama irgendeine Plattform für seine separatistischen Aktivitäten bietet. Der Dalai Lama fordert "echte Autonomie" für Tibet, das aber Teil der Volksrepublik China bleibten soll. Was spricht denn dagegen? Man sollte nicht nur auf die Behauptungen des Dalai Lama hören, sondern auch erkennen, was er wirklich meint mit "echter Autonomie". Damit will er nämlich nicht anerkennen, dass Tibet ein Teil Chinas ist; damit meint er, ein "Großtibet" soll entstehen, das nie in der Geschichte existiert hat; damit meint er den Abzug der chinesischen Armee und aller Chinesen. Seine Forderung nach "echter Autonomie" ist nichts anderes als seine verdeckte Unabhängigkeitsbestrebung. Wie laufen die Gespräche mit den Vertretern des Dalai Lama? Auf die Bitte des Dalai Lama hat China beschlossen, in Kontakte und Konsultationen mit seinen privaten Vertretern einzutreten. Dies ist eine Fortsetzung unserer bisherigen Politik und zeigt unsere Aufrichtigkeit. Wir stehen erst am Anfang und hoffen, dass der Dalai Lama und seine Anhänger mit separatistischen Aktivitäten aufhören, die Planung und Unterstützung von Gewalttaten und der Störung der Olympischen Spiele in Peking einstellen und so gute Voraussetzungen für weitere Gespräche schaffen. Welches Ziel verfolgt China in den laufenden Verhandlungen? Tibet ist ein Teil Chinas. Die Souveränität und territoriale Integrität Chinas zu bewahren ist unser vorrangiges Ziel,weil erst die nationale Einheit eine gute und stabile Entwicklung in Tibet ermöglicht.Wir werden die Vertreter des Dalai Lama über die Entwicklung in Tibet informieren, insbesondere über Fortschritte in den Bereichen Kultur und Religion. Wie könnte eine Lösung der Tibetfrage aussehen? Eine gute und spannende Frage. Aber schon jetzt kann ich Ihnen versichern, dass die einzige Lösung der Tibetfrage darin besteht, dass der Dalai Lama und seine Anhänger anerkennen, dass Tibet ein Teil Chinas ist. Das Interview führte Florian Brückner schriftlich. |