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Deutscher Wirtschaftsexperte betrachtet China in der gegenwärtigen Finanzkrise als Ankerland
2008/10/22

Die durch die Finanzkrise ausgelöste weltweite Konjunkturschwäche ist auch nicht spurlos an der boomenden chinesischen Wirtschaft vorbeigegangen. Der jüngsten Statistik der chinesischen Regierung zufolge, ist das Durchschnittswachstum in den ersten drei Quartalen des Jahres auf den tiefsten Stand seit 2002 gefallen. Noch immer aber ist die gegenwärtige Wachstumsquote von 9,9 Prozent in China für viele westliche Länder Wunschdenken. Ein deutscher Wirtschaftsexperte geht sogar davon aus, dass China in der globalen Finanzkrise eine stabilisierende Rolle spielen wird.

Doktor Henning Vöpel, Senior Economist am Weltwirtschaftsinstitut in Hamburg, vertritt die Ansicht, dass China trotz des Exportrückgangs und den verhaltenen Direktinvestitionen aus dem Ausland als Überschussland weniger von der Finanzkrise betroffen sein wird als andere Entwicklungsländer. China komme in Asien die Rolle eines Ankerlandes zu:

"China kann für den asiatischen Raum natürlich eine große Bedeutung haben, gerade für den regionalen Austausch wie den regionalen Handel mit anderen asiatischen Ländern. In diesem Bereich kann China ganz bestimmt stabilisierend wirken und für andere Länder so etwas wie ein Ankerland darstellen, an dem man sich orientieren kann und das Stabilität – sowohl handelspolitisch als auch währungspolitisch – bringen kann."

Doktor Vöpel befürwortet die engere Zusammenarbeit der internationalen Gemeinschaft. Die Finanzkrise könne nur gemeinsam bewältigt werden. Eine ganz wichtige Rolle in diesem Prozess komme China zu, sagt der Wirtschaftsexperte:

"Also China ist natürlich eine der großen Wirtschaftsnationen und eine Neuordnung der internationalen Finanzmärkte ist überhaupt nicht denkbar ohne China."

Durch die stärkere Öffnung seiner Finanzmärkte werde China zukünftig noch attraktiver für deutsche Investoren werden, ist Doktor Vöpel vom Hamburger Weltwirtschaftsinstitut überzeugt:

"Ich denke, dass der Produktionsstandort China nach wie vor sehr günstig ist und dass man weiterhin Direktinvestitionen in China tätigen sollte. China bietet jetzt vielleicht von den Arbeitskosten her nicht unbedingt mehr Vorteile, ist aber natürlich dabei, ein moderner Staat zu werden und Technologien zu fördern. Zudem ist China auch als zukünftiger Absatzmarkt – nicht nur als Produktionsstandort, sondern auch als Absatzmarkt – für deutsche Unternehmen sehr interessant. Da kann natürlich auch die Unternehmensverlagerung nach China zu einem strategischen Vorteil werden."

Das größte Risiko sieht Doktor Vöpel in der Überhitzung der chinesischen Wirtschaft infolge des rapiden Wirtschaftswachstums der vergangenen Jahre. Nun gelte es in erster Linie, eine nachhaltige Entwicklung zu gewährleisten, so der Hamburger Ökonom:

"China war ja in den letzten Monaten stark betroffen von steigenden Inflationen. Die Folge war eine Überhitzung der chinesischen Wirtschaft. Ich denke, da muss man jetzt in den nächsten Jahren auf einen nachhaltigen Wachstumspfad zurückkehren, also weg von der Überhitzung hin zu einem nachhaltigen Wachstum."

Zudem riet Vöpel der chinesischen Regierung, die Entwicklungsschwerpunkte auf die Exportförderung sowie die Ankurbelung der inländischen Nachfrage zu verlegen.

Obwohl die Auswirkungen der Finanzkrise auf die Weltwirtschaft noch immer nicht vollständig absehbar seien, geht Vöpel davon aus, dass die chinesische Wirtschaft auch in naher Zukunft stark wachsen wird:

"Für China gilt allerdings, dass dort natürlich ein strukturelles Wachstum herrscht, dass heißt ein Aufholprozess gegenüber den Industrieländern. Daher wird China nach wie vor relativ stark wachsen, zumindest was diese strukturelle Komponente angeht und vielleicht weniger stark, was die konjunkturelle Komponente angeht. Ich denke, dass China in den nächsten fünf Jahren vielleicht mit einem Schnitt von sieben, acht oder neun Prozent wachsen wird."

Text: Tan Lei

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