| Weltausstellung in Shanghai – Herausforderungen und Auswirkungen |
| 2009/03/13 |
von David Ferguson, Beijing Zhou Hanmin, Vizedirektor des Präsidiums für die Expo 2010 in Shanghai, nahm in einem Online ausgestrahlten Interview Stellung zu brisanten Fragen rund um die Weltausstellung. Professor Zhou Hanmin, Vizedirektor des Präsidiums für die World Expo 2010 in Shanghai und PKKCV-Mitglied, gab china.org.cn ein ausführliches Online-Interview. Er besprach zahlreiche Fragen zum Hintergrund der Weltausstellung, in deren Organisation er seit 2001 involviert ist. Bei einigen sensiblen Fragen rund um die Expo war Professor Zhou erstaunlich direkt. Darunter fielen technische und fachliche Probleme der Organisatoren, die Finanzierung der Expo und die Auswirkungen der internationalen Wirtschaftskrise. Die erste Frage lautete, ob er Bedenken habe, dass die Weltausstellung in der reichsten Stadt des Festlands China unter dem Motto "Bessere Stadt, besseres Leben" gerade zu einer schwierigen Zeit stattfinde, die Aufmerksamkeit oder Finanzierung von wichtigeren geografischen oder wirtschaftlichen Prioritäten ablenken könnte. Auf diese Frage antwortete er sehr direkt: "Erstens ist die Expo eine nationale Veranstaltung", sagte Professor Zhou. "Shanghai wurde als Veranstaltungsort ausgewählt. Wir arbeiten im Interesse des ganzen Landes. Zweitens stammen alle finanziellen Ressourcen von hier und kommen von der Shanghaier Regierung oder entspringen unseren Bemühungen, mit Sponsoren als internationalen strategischen Partnern zu arbeiten. Wir haben auch Anleihen für die Bauarbeiten ausgegeben. Wir glauben nicht, dass dies irgendwelche anderen Bemühungen in irgendwelchen anderen Gebieten gefährden wird – im Gegenteil, wir erwarten, dass sie dem ganzen Land nutzt." Professor Zhou hob hervor, dass China vor den Olympischen Spielen dem IOC und den internationalen Medien gegenüber Zusagen über freie Berichterstattung gemacht habe, und dass es Bedenken gebe, dass diese Zusagen nicht eingehalten wurden. "Erstens kann kein Prozess in Zusammenhang mit einer derartigen Veranstaltung jemals 100-prozentig sein", führte er aus und betonte weiter die Wichtigkeit der bei den Beijinger Spielen gemachten Erfahrungen. Auf technischer Ebene wurden keine Mühen gescheut, den internationalen Medien alle Einrichtungen zu bieten, die sie für ihre Arbeit benötigen. Derzeit werde das Medienzentrum für 3000 Medienvertreter gebaut. Auf fachlicher Ebene heiße die Expo die Medien aus aller Welt willkommen. Professor Zhou zeigte sich dessen bewusst, dass die Veranstaltung ein grosses Medieninteresse erregen werde, und er unternehme im Namen des Gastgebers und der Organisatoren sein Bestes, um die Arbeit der Medien zu ermöglichen. Bei der Vorbereitung auf eine so große Veranstaltung wie der Expo sei es unvermeidlich, dass es Verlierer gebe, so wie es hoffentlich viele Gewinner gebe. Einige werden ihr Haus oder Land verlieren oder in ihren Interessen auf andere Weise geschädigt. Professor Zhou wurde gebeten, zu der Art, wie derartige Fälle bei den Vorbereitungen zur Expo behandelt wurden, Stellung zu nehmen. Er betonte erneut, dass in Zusammenhang mit einer so großen Veranstaltung wie der Weltausstellung nicht die Wünsche aller Personen befriedigt werden können. "Ich sage es gerade heraus, es wird vielleicht einige Haushalte unter den 18.000 umgesiedelten geben, die mit der Zuteilung ihrer neuen Wohnungen nicht zufrieden sind", sagte er. "Beispielsweise meinen sie, dass ihre Wohnungen jetzt weiter von ihrer Arbeitstelle entfernt liegen als ihre früheren Wohnungen. In Wirklichkeit begrüßt allerdings die große Mehrheit diese Ab- und Umsiedlung. Das ist ein wichtiger Punkt", betonte Zhou. "Es gibt zwei große Wohnanlagen für diese Haushalte", fuhr er fort. "Eine wurde von einem sehr bekannten italienischen Architekten entworfen. Ich begrüße es selbstverständlich, wenn Sie diese zwei Wohnanlagen besuchen. Sprechen Sie mit wem Sie wollen, interviewen Sie, wen immer Sie treffen! Welche Fragen Sie auch immer stellen, ich bin überzeugt, dass Sie zum Großteil die gleichen Rückmeldungen bekommen. Die Menschen sind mit dem Ergebnis dieses Projekts zufrieden." Professor Zhou wurde mit einem erwähnenswerten Fall konfrontiert: Eine Chinesin namens Pan Rong war nach Neuseeland emigriert. Sie kehrte nach Shanghai zurück, um das Haus ihrer Familie zu renovieren und verwandelte es in eine moderne Villa. Das Haus sollte abgerissen werden, um dem Ausbau des Flughafens Hongqiao Platz zu machen, aber Pan Rong war mit der angebotenen Entschädigung nicht zufrieden. Es war ein ungewöhnlich extremes Beispiel, aber sie und ihr Ehemann bewaffneten sich mit Molotowcocktails und Armbrüsten und verteidigten sich gegen die Planierraupen. Im Endeffekt wurden sie allerdings gezwungen, aufzugeben, und ihr Haus wurde geschliffen. "Erstens habe ich persönlich nicht viel über diesen Fall gehört", antwortete der Professor. "Zweitens werden wir diesen Fall sehr ernst nehmen, wenn diese Fakten stimmen. Die zentrale Bedeutung der Expo ist, dass die Menschen zuerst kommen. Wenn einige aus diesem oder jenem Grund nicht zufrieden sind, müssen wir unser Bestes tun, um ihren Bedenken Rechnung zu tragen. Der wahre Grund für uns, die Weltausstellung auszurichten, ist, die Menschen Glücklich zu machen. Ich werde meine Kollegen eindringlich auffordern, den ganzen Fall zu überprüfen und zu schauen, ob wir etwas anderes tun können, um diese Person zufrieden zu stellen." Professor Zhou sagte, es sei sich dessen bewusst, dass Einzelfälle wie dieser das Risiko mit sich tragen, von einigen westlichen Medien ausgenutzt zu werden, um die Expo, Shanghai oder China in größerem Maßstab anzugreifen, wie es schon bei den Olympischen Spielen gelegentlich der Fall war. Er wurde von den Organisatoren aufgefordert, für spezielle Fälle wie diesem eine Strategie für den Umgang mit den Medien zu entwickeln. "Danke für diese Mahnung", antwortete er. "Wir wollen diese Weltausstellung zu einem Fest für die Menschen machen. Wir werden versuchen, zu verhindern, Vorfälle wie diese zu einer Entschuldigung für andere werden zu lassen, das gesamte Projekt anzugreifen, oder ihre Anwürfe auf die Stadt oder das ganze Land auszuweiten, da die zentrale Bedeutung der Expo ‚Der Mensch zuerst’ ist. Wir werden nicht zulassen, dass diese Vorfälle die gesamte Dynamik gefährden." Eine der Fragen der Internetnutzer bezog sich auf Medienberichte, dass einige NVK- und PKKCV-Abgeordnete aus Shanghai enttäuscht darüber waren, dass Ministerpräsident Wen Jiabao in seinem Arbeitsbericht die Expo nicht erwähnte. Bedeute das, dass der Weltausstellung nicht genügend Aufmerksamkeit geschenkt werde? Professor Zhou zeigte sich in dieser Hinsicht unbesorgt. "Ich glaube, dass eine derartige Reaktion ein Beispiel für die Überempfindlichkeit einiger Betroffenen ist. In dem Arbeitsbericht mussten so viele Dinge behandelt werden, die sonst nirgendwo diskutiert wurden. Die Shanghaier Weltausstellung ist für die Regierung stets ein wichtiges Anliegen." Er führte einige Beispiele an: Während des Besuchs von Präsident Hu Jintao in Südkorea standen die Vorbereitungen für die Shanghaier Expo und die Weltausstellung 2010 in Korea ganz oben auf der Tagesordnung. Am 11. Februar, vor weniger als einem Monat also, führte Ministerpräsident Wen Jiabao den Vorsitz auf einer Sondersitzung des Staatsrates, auf der die Schlüsselrolle der Expo als Unterstützung bei der wirtschaftlichen Erholung behandelt wurde. Professor Zhou schloss mit einer aufrichtigen Antwort auf die Frage: "Was werden für Sie die Indikatoren für einen von Ihnen ersehnten Erfolg sein, wenn die Expo 2010 ihre Tore schließt?" "Das wird ein sehr emotionaler Moment für mich sein", meinte er. "In der ganzen Zeit seit der erfolgreichen Bewerbung hatte ich keine Zeit, meine Gefühle aufzuzeichnen. Das bedeutet aber nicht, dass ich nicht viel für das Projekt empfinde – ganz im Gegenteil. Und wenn die Leute bei dem Abschlussmoment finden, dass wir eine bedeutende Prägung in der Geschichte hinterlassen haben, wird das sehr befriedigend und eine große Ehre für mich sein, nachdem ich mehr als ein wunderschönes Jahrzehnt meiner Karriere dieser Aufgabe gewidmet habe." |