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Getreide im Speicher, keine Sorgen auf dem Herzen
2008/05/07

Jeder Bürger darf nur drei Kilogramm Reis am Tag kaufen. Nachdem er diese rationierte Menge gekauft hat, wird mit Stempelfarbe ein Zeichen an einen Finger des Käufers gemacht, so dass er nicht noch einmal Schlange steht. So sieht es in Manila aus, der Hauptstadt der Philippinen. In acht Staaten, verstreut über die ganze Welt, haben sich kürzlich Unruhen wegen Getreidemangels ereignet. Die Preise für Weizen, Mais, Sojabohnen und Reis sind im März um 88 Prozent, 26 Prozent, 76 Prozent und 40 Prozent im Jahresvergleich gestiegen. Am 24. April hat der Reispreis in Thailand, einem der wichtigsten Reisproduzenten der Welt, 1000 US-Dollar je Tonne übertroffen. Der Reispreis hat sich seit Jahresbeginn mehr als verdoppelt. Im Januar lag der Reispreis in Thailand noch bei lediglich 371,5 US-Dollar je Tonne.

Die rasante Steigerung des Reispreises hat gleichermaßen die Aufmerksamkeit der chinesischen Öffentlichkeit wie auch der Regierung auf sich gezogen. Denn seit Juli letzten Jahres stieg der Konsumpreisindex in China immer bedenklicher an. Nach Angaben des Amtes für Statistik hat das Wachstum des Konsumpreisindex, kurz CPI, im Februar in China den höchsten Stand seit 1996 erreicht. Im Verhältnis zum Vergleichszeitraum des vergangenen Jahres bedeutet dies eine Steigerung von 8,7 Prozent. Der Anteil des gestiegenen Getreidepreises schlägt im CPI mit etwa sieben Prozent zu Buche.

Allerdings spielten Schweinefleisch und Speiseöl (auf der Basis von Sojabohnen) bei der CPI-Steigerung eine Schlüsselrolle, während die Schwankungen des Getreidepreises auf dem internationalen Markt dabei kaum ins Gewicht fallen. "Gegenwärtig gibt es keine große Steigerung beim Getreidepreis in China", sagt Xu Xiaoqing, der stellvertretende Direktor der Abteilung für ländliche Wirtschaft beim Forschungszentrum für Entwicklung beim Staatsrat. Das Wachstum des philippinischen Bruttoinlandsprodukts hat im letzten Jahr 7,3 Prozent betragen, und damit einen Rekord eingestellt, der seit dreißig Jahren nicht mehr erreicht worden war. Leider betrug das Wachstum der Reisproduktion im Land aber nur 1,9 Prozent. Dem steht eine Zunahme der Bevölkerung um 2,36 Prozent gegenüber. Dies erklärt das Ungleichgewicht in der Getreideversorgung auf den Philippinen.

In China trug sich die letzte Preisschwankung bei Getreide im Jahr 2004 zu. Der Hintergrund war damals die kontinuierliche Senkung der Produktion seit 1996. "Der Preisanstieg reflektierte lediglich die Rückkehr auf ein normales Niveau", so Xu Xiaoqing. In den darauf folgenden vier Jahren hat sich die Produktion ununterbrochen gesteigert (2004 betrug die Produktion 469 Millionen Tonnen, 484 Millionen Tonnen im Jahr 2005, 497 Millionen Tonnen im Jahr 2006. 2007 erreichte die Produktion 501,5 Millionen Tonnen). "Der Staat hat immer mehr Unterstützung für die Getreideproduktion geleistet. Sowohl die Direktsubventionen für Getreideanbau als auch der Zuschuss für Saatgut und Landmaschinen nehmen jährlich zu. So wurde die Initiative der Bauern für die Getreideproduktion voll zur Geltung gebracht", sagt Xu.

Im Hinblick auf eine Sicherung der Getreideversorgung wurde beschlossen, ab dem Jahr 2000 ein System für die Verwaltung von Getreidereserven einzuführen. Deshalb wurde die China Grain Reserves Corporation gegründet. Bao Kexin, der Direktor der Organisation, erklärt den wesentlichen Unterschied im neuen Getreideregime: "Zuvor sollten die Bauern ihr Getreide an den Staat verkaufen. Jetzt soll die Regierung den Bauern das Getreide abkaufen. So hat sich eine Verpflichtung der Bauern in eine Verantwortung der Regierung verwandelt." Die Anstrengungen der Regierung haben es ermöglicht, dass China aus den Schwankungen des Weltmarktes für Getreide keine große Bedrohung erwächst.

Allerdings heißt das noch nicht, dass sich China keine Sorgen mehr um Getreide machen müsste. So hat Ministerpräsident Wen Jiabao während seiner Inspektionsreise in der Provinz Hebei betont: "Getreide im Speicher, keine Sorgen auf dem Herzen".

Die explosionsartige Steigerung der Weltmarktpreise werden im Allgemeinen auf folgende Faktoren zurückgeführt: erstens die enorme Steigerung des Rohölpreises. Zweitens kommt es infolge der Entwicklung auf dem Ölmarkt zu einer verstärkten Nutzung von Bioenergiequellen, für deren Anbau Nutzflächen erforderlich sind. Dadurch werden Ernteerträge der Ernährung der Bevölkerung entzogen. Drittens hat der Strukturwandel zu einer Veränderung der Konsumgewohnheiten der Menschen geführt. Xu Xiaoqing spricht von der Erhöhung der Produktionskosten wegen des gestiegenen Ölpreises: "Im letzten Jahr betrugen die Kosten für die Produktion von Reis, Sojabohnen und Weizen durchschnittlich 470 Yuan je Mu (Flächeneinheit, etwa 1/15 Hektar), jetzt erhöhen sich die Kosten aufgrund der Steigerung der Preise von Dieselöl und chemischer Düngemittel auf 520 Yuan je Mu."

Li Guoxiang, Experte der Chinesischen Akademie der Sozialwissenschaften, meint: "Nach langfristiger Beobachtung hat die Getreideproduktion in den letzten 30 Jahren eine zyklische Schwankung erlebt. Von 1979 bis 1984 ist die Produktion kontinuierlich gestiegen. Von 2003 bis 2007 hat die Produktion ebenfalls ununterbrochen zugenommen. Nach dem Gesetz der zyklischen Schwankung der Getreideproduktion gibt es nur eine geringe Aussicht auf eine Steigerung in diesem Jahr."

Chinas Agrarstruktur steht noch immer vor großen Herausforderungen. Gegenwärtig beträgt die Anbaufläche in China 1,827 Milliarden Mu ( etwa 121,8 Millionen Hektar), und rückt damit in bedrohliche Nähe der als Mindestanbaugröße angesehenen Fläche von 1,8 Milliarden Mu (120 Millionen Hektar). Zudem beträgt die Anbaufläche in China 1,39 Mu (etwa 0.1 Hektar) pro Kopf, was lediglich einem Drittel des weltweiten Durchschnitts entspricht. Gleichzeitig hat Chen Xiwen, der stellvertretende Direktor des Forschungszentrum für Entwicklung beim Staatsrat, "Derzeit werden jedes Jahr 4 Millionen Mu (etwa 267.000 Hektar) zur Bebauung freigegeben. Davon sind etwa 2,8 Millionen Mu (etwa 187.000 Hektar) agrarische Nutzflächen gewesen." Die Reduzierung der Anbaufläche ist im Prozess der Industrialisierung unvermeidlich.

Die komplizierte und wechselhafte Lage auf dem internationalen Getreidemarkt und der große Druck aufgrund des Wandels der chinesischen Agrarstruktur macht aus Chinas Getreideversorgung eine immer brennendere Frage. Derzeit sieht der Staatshaushalt eine Erhöhung der Direktsubventionen um 25,2 Milliarden Yuan (2,3 Milliarden Euro) vor. Zuvor sind im Haushalt bereits erhöhte Investitionen für die Landwirtschaft, ländliche Gebiete und die bäuerliche Bevölkerung breitgestellt worden. Dieses Jahr betragen die Investitionen 56,25 Milliarden Yuan (5,2 Milliarden Euro), 13 Milliarden mehr als im letzten Jahr. Ziel ist die Stabilisierung der Preise für Agrarprodukte. Vor allem die Getreidepreise sollten keinen großen Schwankungen ausgesetzt sein.

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