Home Über uns Wirtschaft und Handel Kontakt Konsularservice Bildung Presse Links
 
Home > Wirtschaft und Handel
Expo: Das Passivhaus oder was Hamburg, Shanghai und Beijing verbindet
2010/05/19
 

von Zhang Yue, Shanghai

Lars Anke ist Direktor des Hamburg House auf der Expo 2010 in Shanghai. An einem regnerischen und schwülen Vormittag erzählt er uns stolz über den gemütlichen Pavillon mit einer stabilen Temperatur von 25 Grad Celsius.

Direktor des Hamburg House Lars Anke

China.org.cn: Herr Anke, das Hamburg House ist ein Passivhaus mit hohem Energiestandard. Wie wird das Konzept begründet?

Lars Anke: Das Passivhaus hat eine lange Geschichte in Deutschland und wurde schon weit verbreitet. Es gibt in Deutschland etwas über 5000 zertifizierte Passivhäuser, und weltweit gibt es 20000. Einige sind auch in Asien wie zum Beispiel in Japan. In China ist das Hause bei der Expo das erste zertifizierte Passivhaus. Das Konzept Passivhaus besagt, dass das Gebäude komplett mit passiven Energiequellen auskommt. Passive Energiequelle bedeutet, dass die Wärme, beispielsweise die menschliche Körperwärme, die Wärme durch Lampen und Computergeräte ins Gebäude gebracht werden, und das Dach wird genutzt, um das Klima im Gebäude aufrecht zu halten. Die große Herausforderung liegt hierbei nicht darin, die Wärme ins Gebäude zu bringen, sondern darin, das Gebäude zu kühlen. Denn es ist viel wärmer in Shanghai als in Hamburg oder in Deutschland. Hier funktioniert ein entwickeltes Lüftungssystem, das den Austausch zwischen innerer und äußerer Temperatur nutzt, um das Haus im Sommer zu kühlen und im Winter zu wärmen. Das heißt, man arbeitet mit der Differenz zwischen der Innentemperatur und Außentemperatur der Luft. Das ist das wesentliche Konzept eines Passivhauses. Durch so eine Konzeptionierung kann man bis zu 90 Prozent der Energie sparen, die man bei einem normalen Haus verwendet.

Das Hamburg Haus auf der Expo Shanghai

Gibt es ein originales Modell des Hamburg House? Ein Haus in der Stadt Hamburg vielleicht?

Das Haus, das hier wir sehen, hat ein Referenzgebäude in Hamburg. Aber in diesem Haus auf der Expo hat man einen höheren Standard benutzt. Einfach gesagt ist dieses Haus moderner als das Haus in Hamburg als Konzept oder Modell. Passivhaus ist ein Konzept und ein Standard. Egal wo ich ein Passivhaus baue, ist es immer ein anderes Haus. Dieses Gebäude hier könnte man nicht eins zu eins kopieren und nach Beijing versetzen, denn in Beijing gibt es ein ganz anderes Klima.

Also andere Orte, andere Konzepte.

Ja, genau.

Ist ein Passivhaus ein Hightech-Haus?

Nein, eher Lowtech. Es ist anders als in vielen anderen Gebäuden. Es gibt keine wirkliche anfälligen Technologien. Das Gebäude als Ganzes kommt mit eigentlich relativ einfachen Ideen aus. Es kommt aus mit Dämmung, mit klaren Strukturen. Man muss keine hochkomplizierten Dingen anstellen, um so ein Passivhaus zu erreichen. Es geht darum, dass man relativ einfache, relativ klar erfassbare Architekturideen, relativ klar erfassbare Materialtechnologien erreichen kann.

Ich glaube, es dauert noch lange, bis alle das Konzept akzeptieren können. In China werden zum Beispiel noch weitgehend Heizungen und Klimaanlagen angewandt. Wie ist die Perspektive des Konzepts?

Die Perspektive ist sicherlich zunächst ein Bewusstsein zu schaffen dafür, dass man mit einer hochqualitativen Bauweise, mit einer effizienten Wärmedämmung und mit dem Einsatz von erneuerbaren Energiequellen sehr gute Ergebnisse beim Energiesparen erzielen kann. Das Problem im Moment ist: Auch wenn Sie ein sehr teures Gebäude bauen, bedeutet es nicht, dass es ein energieeffizientes oder energiesparsames Gebäude ist.

Der Wunschbaum

Ich habe im Keller einen Wunschbaum gesehen. Was ist die Beziehung zwischen dem Baum und dem Hamburg House?

Der Wunschbaum hat hauptsächlich drei Bedeutungen. Vor allem ist es ein traditionelles chinesisches Konzept zur Aufnahme von Wünschen. Auch die klassische rote Farbe ist die Glücksfarbe von China und Hamburg. Das zweite Symbol ist, dass wir gern die Wünsche aufnehmen wollen von den Besuchern. Das ist sehr wichtig für uns, um zu verstehen, was sich die chinesischen Besucher von einer entwicklungsnachhaltigen Stadt wünschen. Das dritte Symbol hat eine direkte Beziehung zu diesem Gebäude und stellt wieder Mal das Thema Energie dar. Unten im Keller sieht man die Wurzeln, die die Erdwärme, die Energie der Erde symbolisieren, die dort aufgenommen wird. Wenn Sie durchs Gebäude gehen, sehen Sie überall Elemente des Baumes. Es symbolisiert die Energie, die die Menschen ins Gebäude reintragen. Wenn Sie oben aufs Dach gehen, sehen Sie auch die Krone des Baumes, die in direkter Verbindung mit der Energie der Sonne steht. Die drei Arten von Energien symbolisieren wir durch den Baum in roter Farbe im ganzen Gebäude.

Unterwegs habe ich gemerkt, dass das Hamburg House die meisten Besucher im Vergleich zu anderen Pavillons in der Best Urban Practice Area angezogen hat? Warum ist das so?

Die Statistik kenne ich noch nicht so genau, aber es freut mich, das zu hören. Ich denke, dass unsere Ausstellung in Verbindung mit der Außenarchitektur sehr attraktiv ist. Darüber hinaus glaube ich, dass wir in diesem Gebäude recht viele interessante Aspekte von Hamburg darstellen. Es geht um die Wirtschaft und die Kultur in Hamburg, es geht auch darum, die wirtschaftlichen und gesellschaftliche Stärken Hamburgs darstellen. Vor allem geht es auch um das Leben in Hamburg. Es ist, glaube ich, ganz interessant für die chinesischen Besucher zu gucken, wie man in Deutschland, in Hamburg und in Europa lebt.

Können Sie die Zusammenarbeit mit der chinesischen Seite kommentieren? Werden alle Ideen der Architekten sehr gut realisiert?

Es ist eine schöne und konstruktive Zusammenarbeit. Dass der Test, der die Luftdichtigkeit des Gebäude prüft, beim ersten Mal schon bestanden werden konnte, zeigt die Ausführungsqualität der chinesischen Bauunternehmen. Es ist natürlich so, dass das ganze Konzept für China neu ist. Sowohl in seiner architektonischen Planung, als auch was bestimmte Baustoffe anbelangt. Die Dämmung zum Beispiel, und auch die Fassadenelemente. Die Fassadenbefestigung, die auch zum ersten Mal umgesetzt wurde, war in China noch nicht bekannt.

Sprechen wir über die Stadt Hamburg. Die Stadt hat den Titel "European Green Capital 2011" erhalten. Welche Bemühungen hat Hamburg gemacht, um eine umweltfreundliche Stadt zu bauen?

Wir sind sehr stolz, den Titel erhalten zu haben. Für eine sehr große Stadt in Europa und die zweitgrößte Stadt Deutschlands, die den zweitgrößten Hafen Europas hat sowie ein wichtiger Industrie- und Logistikstandort ist, ist es nicht so einfach, das mit Umweltfreundlichkeit und Nachhaltigkeit zu vereinen. Es wird anerkannt, dass Hamburg viele Bemühungen im Bereich Umweltschutz gemacht hat. 50 Prozent der Fläche Hamburgs sind Grünfläche, und wir haben sehr große Erfolge erzielt im Bereich Wasserqualität. Man kann heute wieder in der Elbe schwimmen. Eine Wasserqualität zu erreichen, die eine menschliche Nutzung ermöglicht, ist nicht so einfach. Das hat in Hamburg Jahrzehnte gedauert. Wir haben zudem große Anstrengungen gemacht im Bereich nachhaltiger öffentlicher Naheverkehr, beispielweise durch wasserstoffzellenangetriebene Busse, die ohne Emission fahren, und durch den Bau unseres U-Bahn-Netzes, das den Privatverkehr minimiert, durch Emissionsauflagen für Industrie und PKW, die die Luftqualität deutlich verbessert haben. Wir machen große Anstrengungen in den Bereichen Mülltrennung, Recycling und Aufarbeitung von Abwasser. All dies macht Hamburg heute zu einer lebenswerten Stadt.

Modell eines von Wasserstoff angetriebenen Airbuses

Das Hamburg House wird, anders als der deutsche Pavillon, nach der Expo weiter genutzt werden. Was haben Sie damit vor?

Das Hause gehört nach der Expo nicht mehr der Stadt Hamburg, sondern der Stadt Shanghai. Wir hoffen natürlich, dass es einerseits seine Hamburger Nutzung behält, als Hamburg House mit einer Hamburger Architektur. Und auf der anderen Seite steht die öffentliche Nutzung, das heißt nach wie vor zugänglich zu sein für die Menschen, die das Gebäude angucken wollen. Für uns ist es entscheidend, dass das Haus erkennbar Hamburg bleibt, und dass die Menschen, die an dem Gebäude, an den Technologien und an den Eigenschaften des Gebäudes interessiert sind, weiter Zugang dazu haben. Für uns ist es ganz wichtig, dass das Gebäude Teil des bilateralen Austausches zwischen Hamburg und Shanghai sowie zwischen Deutschland und China ist.

 

Suggest to a friend
  Print