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Nobelpreisträger Mo Yan: Vom Buch zum Blockbuster
2012/10/22

Die Arbeiten des frischgebackenen Nobelpreisträgers Mo Yan hatten auf der Leinwand unterschiedliche Erfolge.

Mo Yans Annäherungsversuche an das Kino begannen gleich mit einem echten Knaller: 1986 veröffentlichte er die Novelle "Rotes Kornfeld", im darauffolgenden Jahr war die Filmversion ein überraschender Welterfolg und konnte auf der 38. Berlinale sogar den Goldenen Bären gewinnen. "Rotes Kornfeld" bedeutete gleichzeitig auch den Startschuss für viele bemerkenswerte Karrieren, allen voran für Regisseur Zhang Yimou, der durch diesen Film seinen Ruf als einer der herausragenden Filmemacher Chinas festigen konnte. Ebenso wurde Mo als literarische Größe bekannt. Beide haben den Anteil des jeweils anderen als wesentlichen Bestandteil ihres Erfolges anerkannt. So sagte Mo beispielsweise: "Ohne den Film wäre ich nur in einigen wenigen literarischen Zirkeln bekannt geworden." Dennoch zeigte die Erfahrung auch eine gewisse Ignoranz, die Mo gegenüber dem Medium Film als Kunstform pflegte. Als Mo zum ersten Mal Gong Li am Filmset traf, war er nicht besonders beeindruckt: "Für mich sah sie aus wie ein Mädchen vom College, ohne eine Spur der weiblichen Persönlichkeit, die ich für diesen Part im Kopf hatte", sagte er. "Ich dachte, sie würde den Film ruinieren." Außerdem wurde das dicke Drehbuch, das Mo für den Film mitausgearbeitet hatte, von Zhang auf nur "sieben oder acht Seiten" herabgekürzt. Vom Endresultat war jedoch auch er positiv überrascht. Die fünfminütige Szene mit der Braut-Limousine alleine brachte im Vergleich zum Buch einen enormen Gewinn mit beeindruckenden Bildern und einer unvergesslichen Energie. "Und ich habe mich in Gong Li geirrt", fügte Mo hinzu.

Zhangs andere filmische Annäherung an das Werk von Mo Yan erwies sich jedoch als fundamentaler Flop. Die Verfilmung von "Happy Times" (2000), die auf einer weiteren Geschichte von Mo basiert, erhielt durchwachsene Kritiken sowohl in China als auch außerhalb. Der US-amerikanische Filmkritiker Roger Ebert nannte das Werk sogar "schauerlich", obwohl die Machart ein bisschen an den Charly Chaplin Klassiker "City Lights" erinnert. Mo sagte dazu, im Gegensatz zum "Roten Kornfeld", bei dem zwar auch viele Teile der Geschichte der Schere zum Opfer fielen, wären bei "Happy Times" ausgerechnet die wichtigsten und emotionalsten Passagen entfernt worden. Allerdings hat Mo bereits akzeptiert, dass es sich um ein zweischneidiges Schwert handelt, wenn man Bücher für Filme adaptiert. "Es ist natürlich ein Jammer, aber wenn ich einer Produktionsfirma die Rechte zu einer Verfilmung einräume, ist es nicht mehr meine Aufgabe und das Ergebnis entzieht sich meiner Kontrolle. Wenn die Adaption gut ist, bin ich glücklich, denn sie macht schließlich meine Bücher bekannt. Wenn sie nicht gut ist, wird natürlich der gegenteilige Effekt erreicht, obwohl es ja eigentlich nicht meine Schuld ist."

Ein weiteres gescheitertes Projekt mit Zhang war "Cotton Fleece", das Mo speziell für den Filmemacher geschrieben hatte. "Ich hatte Gong Li vor Augen, als ich an der Geschichte gearbeitet habe, ihre Verhaltensweise und ihre Art zu sprechen." Die entscheidende Szene spielte noch dazu in einem Baumwollfeld, wohlwissend, dass Zhang eine Vorliebe für kräftige Farben hat. Doch dem Regisseur gefiel die Geschichte nicht, in der auch Szenen aus der Kulturrevolution (1966-1976) enthalten waren, die ein potenzielles Minenfeld bei der Zensur darstellten. Das Drehbuch ging später an einen Newcomer aus Taiwan, allerdings ging das Ergebnis nicht über einige Insiderkreise hinaus. Eine andere Arbeit von Mo war hingegen erfolgreicher. "Nuan" (2003) spielt auf dem chinesischen Landgebiet, doch im Gegensatz zu Mos bacchantischem Stil ist der Film feinfühlig und in sich gekehrt, was auch ein Merkmal des Regisseurs Huo Jianqi ist. Mo glaubte immer, dass seine besten Arbeiten wie "Große Brüste und breite Hüften" oder die "Sandelholzstrafe" für das Kino wie gemacht sind. Er beschwerte sich auf der Shanghaier Buchmesse 2010 darüber, dass bis jetzt noch kein Regisseur an ihn herangetreten wäre, um diese Bücher zu verfilmen und fügte hinzu, er wäre mehr als willig, als Autor für etwaige Filmskripten zur Verfügung zu stehen. Allerdings besteht ein Konsens darüber, dass Mos Arbeiten zu viel Sex und Gewalt beinhalten und dass man sie zuerst passend für die Leinwand adaptieren muss. Verglichen mit anderen Autoren scheut Mo das Rampenlicht und die Glitzerwelt des Showbusiness, aber sein Versuch, die beiden Kunstgattungen Film und Literatur zueinander zu bringen, ist einzigartig. Übrigens: Für die Rechte am "Roten Kornfeld" verdiente der Autor 1987 gerade 800 Yuan, weitere 1200 Yuan bekam er für seine Arbeit als Co-Autor am Drehbuch.

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