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Dr. Volker Treier:„Es ist wichtig, dass BRI-Projekte wirtschaftlich, ökologisch und sozioökonomisch nachhaltig sind."
 (2019-11-01)

Seit diesem Jahr ist Dr. Volker Treier Außenwirtschaftschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK). Im Interview berichtet er unter anderem über die Beteiligung deutscher Unternehmen bei der Belt and Road Initiative (BRI) und über den „Aktionsplan China 2019+".

Herr Dr. Treier, Sie kennen sich bestens mit den chinesisch-deutschen Wirtschaftskooperationen und Handelsbeziehungen aus. Welche aktuellen Projekte finden Sie in diesem Bereich besonders spannend?

Die deutsch-chinesischen Wirtschaftsbeziehungen sind eine Erfolgsgeschichte; es gilt diese Erfolgsgeschichte auf Augenhöhe weiterzuschreiben. Man kann also sagen: Die Ausgestaltung des derzeitigen und künftigen Umgangs mit unserem wichtigsten Handelspartner ist eines der wichtigsten Projekte der deutschen Wirtschaft.

In China ist die beeindruckende Zahl von 5.200 deutschen Unternehmen mit eigenen Vertriebsstrukturen und Produktionsstätten aktiv – die vor Ort für rund 1,1 Millionen Menschen Arbeitsplätze bieten. Die Geschäfte der deutschen Unternehmen in China laufen trotz der Eintrübung auf anderen Märkten aktuell gut bis sehr gut, wie die aktuelle Geschäftsklimaumfrage der AHKs in China zeigt. Doch auch nach 40 Jahren Reform- und Öffnungspolitik existieren aus Sicht der deutschen Unternehmen in China weiterhin eine Reihe von Hindernissen im Bereich der Marktöffnung. Ein hartnäckiger Fachkräftemangel, für die Unternehmen eher unklare regulatorische Bestimmungen und in etlichen Bereichen vorherrschende Rechtsunsicherheit sind Ursachen für ein leicht eingetrübtes Investitionsklima in China. Auch beim Thema „Innovation, Forschung und Entwicklung" läuft nicht alles rund: Verbesserung beim Schutz des geistigen Eigentums würde helfen, neue Investitionsimpulse deutscher Unternehmen in China zu setzen.

Im vergangenen Jahr stellten die DIHK und Germany Trade & Invest (GTAI) die gemeinsame „Neue Seidenstraße"-Studie vor. Zu welchen Ergebnissen sind Sie dabei gekommen?

In Zeiten zunehmender protektionistischer Tendenzen sehen wir das Vorantreiben von Konnektivität und Globalisierung grundsätzlich als Chance. Etliche deutsche Unternehmen haben bereits konkrete Schritte unternommen, um sich an der Belt and Road Initiative (BRI) zu beteiligen. Deutsche Unternehmen können mit ihrem enormen Know-how und ihrer internationalen Erfahrung einen zentralen Beitrag zu den geplanten Infrastrukturprojekten wie dem Ausbau von Häfen sowie den Schienen-, Straßen- und Energienetzen in der eurasischen Region leisten. Dies gilt insbesondere für Zulieferer und Qualitätsmanager, im Technologiebereich und bei den Ingenieurdienstleistungen und dem Maschinen- und Anlagenbau.

Aus Sicht des DIHK bieten sich die größten Erfolgschancen, wenn die chinesische Regierung auf einen transparenten, regelbasierten und integrativen Ansatz setzt. Es ist dabei wichtig, dass BRI-Projekte wirtschaftlich, ökologisch und sozioökonomisch nachhaltig sind. In einer Zeit, in der unserer Mitgliedsunternehmen in vielen Regionen der Welt von einer Zunahme nicht-tarifärer Handelshemmnisse wie beispielsweise lokalen Zertifizierungsanforderungen oder auch dem erschwerten Zugang zu öffentlichen Aufträgen berichten, wären Impulse für ein faires Miteinander innerhalb der BRI-Initiative überaus hilfreich.

Von unserem weltweiten Kammernetzwerk mit 140 Standorten und 92 Ländern befindet sich ein gutes Drittel im eurasischen Raum. Mit diesen Standorten setzen wir uns im Sinne unserer, Unternehmen dafür ein, logistische Netzwerke auch im Rahmen der BRI aufzubauen und Rahmenbedingungen aktiv mitzugestalten.

Für die deutsche Wirtschaft ist China mittlerweile der wichtigste Handelspartner. Dazu hat die DIHK Ende letzten Jahres den "Aktionsplan China 2019+" veröffentlicht. Welche Erkenntnisse halten Sie dabei für besonders wichtig?

Der DIHK Aktionsplan China 2019+ zeigt in sieben Aktionsfeldern auf, wie man Chancen für die deutsche Wirtschaft erschließen und Risiken abmildern kann. Das funktioniert nur im engen Dialog – auf politischer und wirtschaftlicher Ebene und zwischen China, Deutschland und Europa. China ist ein wichtiger globaler Player, und das erkennen wir an.

Dazu gehört unserer Auffassung nach auch, dass China für das Welthandelssystem mehr globale Verantwortung übernehmen sollte, Dazu gehört, dass China seine Märkte noch weiter öffnen muss. Davon hängt im Übrigen möglicherweise sogar die Zukunft der multilateralen Regelbindung ab. Für unseren Umgang mit China bedeutet das konkret, dass wir den engen und konstanten Austausch gewährleisten müssen, um wichtige Herausforderungen für beide Seiten zu adressieren, die Interessen der deutschen Wirtschaft zu schützen und Kooperationspotentiale herauszuarbeiten – wie auch zuletzt beim jüngsten Deutsch-Chinesischen Beratenden Wirtschaftsausschuss unter dem Vorsitz der Bundeskanzlerin und Ministerpräsident Li Keqiang im Zuge der Reise der Bundeskanzlerin nach China Anfang September.

INTERVIEW Markus Feller

                                                                                                                                                                                                              Quelle: Diplomatisches Magazin

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