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Prof. Ursula Männle: „Bis heute begleiten wir China bei gesellschaftlichen Reformprozessen"
2019/11/01

Die Hanns-Seidel-Stiftung (HSS) wurde 1966 gegründet und steht der Christlich-Sozialen Union in Bayern (CSU) nahe. Seit über 40 Jahren engagiert sich die Stiftung in China und ist dort mittlerweile mit fünf Repräsentanzbüros vertreten. Im Interview mit dem Diplomatischen Magazin spricht die Vorsitzende Prof. Ursula Männle über die jahrelange Kooperation im Bildungsbereich und den kürzlichen Besuch der chinesischen Vizepremierministerin Sun Chunlan in München.

Frau Prof. Männle, als Vorsitzende der Hanns-Seidel-Stiftung folgen Sie dem Auftrag „Im Dienst von Demokratie, Frieden und Entwicklung". Was heißt das konkret?

Wir geben Menschen Orientierung und geistige Heimat ausgehend von christlichen, sozialen, liberalen und konservativen Überzeugungen und vermitteln Wissen und Werte. Im Ausland ist unser Anliegen, eine gerechtere Ordnung zu schaffen, die Menschen befähigt, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen.

Seit nunmehr 40 Jahren ist die Hanns-Seidel-Stiftung in China vertreten. Aus dem langjährigen Engagement ist mittlerweile ein Regionalprojekt entstanden. Außerdem gibt es fünf Repräsentanzbüros. Was können Sie uns darüber berichten?

Als erster deutscher Akteur nach der deutschen Botschaft in China pflegen wir eine langjährige, kontinuierliche Zusammenarbeit. Angestoßen hat sie 1975 der damalige CSU-Vorsitzende, Franz Josef Strauß, bei einem Besuch bei Mao Zedong. Bis heute begleiten wir China bei gesellschaftlichen Reformprozessen. Seit dem Start der ersten Pilotprojekte Ende der 70er-Jahre ist Shanghai unser Zentrum für Berufliche Bildung. In Jiuquan, Provinz Gansu, helfen wir in den strukturschwachen Regionen West- und Mittelchinas, arbeitsmarktgerechte Bildungsmaßnahmen durchzuführen. Unser Büro in Peking fördert den gesellschaftspolitischen Dialog mit nationalen Partnern.

Ein weiterer zentraler Arbeitsschwerpunkt der HSS ist die Förderung der integrierten nachhaltigen Entwicklung ländlicher Räume und die Verbesserung von Lebens- und Arbeitsbedingungen. Das HSS-Büro Shandong in Qingzhou beschäftigt sich seit über 30 Jahren, nun in Partnerschaft mit dem Ministerium für Natürliche Ressourcen, mit der Revitalisierung ländlicher Räume. Unser neuester Arbeitsschwerpunkt ist die Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE). Seit 2015 fördern wir BNE in der allgemeinen und beruflichen Bildung, seit Juni 2019 unterstützt durch unser Zentrum in Hangzhou, Provinz Zhejiang.

Ende Juni war die chinesische Vizepremierministerin Sun Chunlan bei der Hanns-Seidel-Stiftung in München zu Besuch, und Sie haben gemeinsam mit dem chinesischen Bildungsminister Herrn Chen Baosheng einen neuen Rahmenvertrag über die Zusammenarbeit bei der beruflichen Bildung unterschrieben. Welche Ziele hat dieses Abkommen?

Die Vereinbarung fügt sich ein in die bildungspolitischen Zielsetzungen des „hochrangigen Dialogs zur Förderung und Unterstützung des kulturell-gesellschaftlichen Austauschs zwischen der Regierung der Bundesrepublik Deutschland und der VR China". Die HSS orientiert sich sowohl an Chinas nationalem Bildungsplan als auch an den konkreten Bedürfnissen und Erfordernissen der jeweiligen regionalen und lokalen Ebenen. Das umfasst die Stärkung von Methodik und Didaktik, den Aufbau praxisorientierter Studien- und Bildungsgänge sowie die Förderung von Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE). Der Besuch der Vizepremierministerin war für uns eine besonders große Ehre, die Unterzeichnung der Vereinbarung eine große Anerkennung der langjährigen guten Zusammenarbeit, wofür wir uns bei unseren chinesischen Partnern herzlich bedanken.

In China gibt es diverse Projektstandorte der Hanns-Seidel-Stiftung wie etwa die Lehrerfortbildung in Hangzhou oder die Deutsche Berufshochschule in Shanghai. Welche weiteren Bildungsprojekte sind im „Reich der Mitte" geplant?

Wir freuen uns, die gemeinsame Arbeit weiterzuführen. Beim demografischen und wirtschaftlichen Strukturwandel in unseren beiden Ländern können im gemeinsamen Austausch Lösungsansätze erarbeitet werden, die China als Anschauungsbeispiele zur sozialverträglichen Bewältigung eigener Herausforderungen bei gesellschaftlichen Transformationsprozessen dienen, zum Beispiel beim wirtschaftlichen Strukturwandel oder bei der Alterung der Gesellschaft. Neben der Weiterentwicklung der bestehenden Projekte wird ein Arbeitsschwerpunkt daher auf dem Pflegebereich liegen.

INTERVIEW Markus Feller

                                                                                                                                                               Quelle: Diplomatisches Magazin

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