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Stellungnahme der chinesischen Botschaft in Deutschland zur „Schuldzuweisung gegenüber China" in der deutschen Öffentlichkeit
2020/04/20

Jüngst festigt China seine Erfolge bei der Prävention und Kontrolle der Corona-Pandemie weiter schrittweise und erzielt wichtige Fortschritte bei der Wiederaufnahme von Arbeit und Produktion. Die Aufhebung der Abriegelung Wuhans gibt der Welt Hoffnung und Zuversicht, dass sich die Epidemie letztlich eindämmen lässt und das normale Leben zurückkehren kann. Dennoch haben wir wahrgenommen, dass einzelne deutsche Medien jüngst in den Tenor der USA eingestimmt sind und Stimmen befeuern, wonach China die Schuld an der aktuellen Pandemie trage. Sie werfen China vor, die Epidemie im eigenen Land nicht rechtzeitig eingedämmt und Informationen zurückgehalten zu haben. Zudem rollen sie die Frage des Ursprungs des Virus neu auf, an mancher Stelle werden gar detaillierte „Entschädigungsrechnungen“ aufgestellt.

Zahlreiche andere deutsche Medien kommentierten daraufhin in Folge, die US-Kritik an der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und China sei letztlich nur ein Ablenkungsmanöver der Vereinigten Staaten, um den Druck aus der heimischen öffentlichen Debatte zu nehmen. Deshalb warnten wir andere einzelne Medien, sich nicht in einen Strudel ziehen zu lassen. Eigene Vertrauenspunkte zu verspielen, mag vielleicht als Kleinigkeit erscheinen. Die Diskreditierung anderer Länder hingegen schadet dem Kampf gegen die Pandemie in seiner Gänze.

Seit dem Coronavirus-Ausbruch hat China stets eine offene, transparente und verantwortungsvolle Haltung eingenommen und eine Reihe entschiedener, rechtzeitiger und wirkungsvoller Maßnahmen ergriffen. China hat nicht nur das Leben und die Gesundheit seiner eigenen Staatsbürger bestmöglich geschützt, sondern zudem wertvolle Zeit für die restliche Welt gewonnen, um die weitere Ausbreitung der Epidemie einzudämmen. Wir haben frühmöglichst die WHO über die Epidemie informiert, die vollständigen Gensequenzen des neuartigen Coronavirus mit allen anderen Ländern geteilt, mit ausländischen Experten für Seuchenprävention und -kontrolle kooperiert und anderen von der Pandemie betroffenen Ländern helfende Hände gereicht. Diese grundlegenden Fakten hat die internationale Gemeinschaft voll und ganz anerkannt und positiv bewertet, niemand kann sie leugnen oder im Stillen auslöschen. Von chinesischer Seite gibt es keinerlei vermeintliche „Versäumnisse bei der Einhaltung der relevanten Pflichten im Rahmen der IHR“, wie von einigen deutschen Medien behauptet wird. Die Theorie der „Schuld Chinas“ ist letztlich ein abgekartetes Spiel. Einem einzigen Land die Schuld zuzuschieben oder gar eine „Schadensrechnung“ aufzustellen, ist absurd.

China hat eine offizielle Chronik seines bisherigen Umgangs mit der Epidemie bekannt gegeben und wir hoffen, dass alle Journalisten ihre politischen Vorurteile ablegen und ihre Berichte und Kommentare auf die Faktenlage stützen: Am 27. Dezember 2019 meldete Zhang Jixian, Direktorin der Abteilung für Atemwegserkrankungen und Notfallmedizin des Hubeier Provinzkrankenhauses für traditionelle chinesische und westliche Medizin, erstmals den Eingang dreier Verdachtsfälle einer bisher unbekannten Lungenkrankheit. Zwei Tage später, am 29. Dezember, führten die Zentren für Seuchenkontrolle und -prävention Hubeis und Wuhans sowie die örtlichen Krankenhäuser eine epidemiologische Erhebung durch. Am Folgetag veröffentlichte die Gesundheitskommission Wuhans eine Eilmeldung über die Behandlung von Lungenentzündungen unbekannter Ursache. Am 31. Dezember traf eine Expertengruppe der nationalen Gesundheitskommission in Wuhan ein und untersuchte die Lage vor Ort. Am 3. Januar 2020 unterrichtete China die WHO und andere Länder, darunter auch die Vereinigten Staaten, formell über vorliegende Informationen. Fünf Tage darauf, nämlich am 8. Januar wurde der Krankheitserreger SARS-CoV-2 erstmals identifiziert. Drei Tage später stellte China fünf vollständige Gensequenzen des neuartigen Coronavirus öffentlich online und teilte die genetischen Daten mit der WHO. Am 23. Januar wurde die Millionenmetropole Wuhan abgeriegelt. Zudem ergriff China im ganzen Land nie dagewesene umfassende, strenge und gründliche Quarantänemaßnahmen. Zu diesem Zeitpunkt gab es nur neun bestätigte Covid-19-Fälle außerhalb Chinas.

Mittlerweile macht die Epidemie auch einigen westlichen Industrienationen mit fortschrittlichem medizinischem Versorgungssystem, darunter auch den USA, schwer zu schaffen. Die Zahl der bestätigten Infektionen und Todesfälle ist sogar noch deutlich höher als in China. Es liegt nun in der Verantwortung jedes einzelnen Landes und jedes Weltbürgers, die Zusammenarbeit zu stärken, Erfahrungen auszutauschen und so der Pandemie gemeinsam die Stirn zu bieten sowie das Recht auf Leben und Gesundheit aller Menschen weltweit zu schützen. Einige Medien und vermeintliche „China-Experten“ rücken jedoch nicht den Kampf gegen die Pandemie in den Fokus, sondern drehen sich, ihre Kompetenzen überschreitend, mit der Frage nach dem Ursprung des Virus im Kreis. Wir sind stets der Auffassung, dass die Herkunft und Übertragung des neuartigen Coronavirus eine wissenschaftliche Fragestellung darstellt, deren Untersuchung wir Forschern und medizinischen Experten überlassen sollten. Die WHO sowie zahlreiche international anerkannte Wissenschaftler haben wiederholt darauf hingewiesen, dass es keinen Beweis dafür gibt, dass das neuartige Coronavirus in einem Labor erzeugt worden sei. Behauptungen, dass das Virus aus einem Labor „entwischt“ sei, entbehren jeder wissenschaftlichen Grundlage. Einige selbsternannte „Gralshüter“ haben China zudem anfangs exzessive Maßnahmen und Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen. Nun, da immer mehr Länder selbst strenge Quarantänemaßnahmen ergreifen, werfen diese Kritiker China vor, man habe nicht energisch genug durchgegriffen und so die Eindämmung verschleppt. Egal wie, scheinen die Fehler stets bei den anderen zu liegen.

Angesichts der gegenwärtigen Lage in einigen europäischen Staaten sowie auch in den USA verspürt China tiefes Mitgefühl und bietet seine Unterstützung an. Wir sind fest davon überzeugt, dass wir einander stets gegenseitig helfen sollten. Konfrontiert mit der aktuellen Pandemie kann niemand nur auf das eigene Wohl bedacht sein. Gleichzeitig scheinen sich manche Menschen in ihrem Selbstwertgefühl gekränkt. Sie verzerren nicht nur böswillig den guten Willen Chinas, sondern fahren mit der Stigmatisierung unseres Landes fort. Sie täuschen sich selbst und andere, indem sie Behauptungen aufstellen wie „Chinas offizielle Zahlen sind viel zu niedrig angesetzt und vermutlich nicht echt“ oder „Daten aus China ist ohnehin nicht zu trauen“. Die Tatsache, dass die Bürger Wuhans vor dem chinesischen Qingming-Totenfest Schlange standen, um die Asche verstorbener Angehöriger abzuholen, wurde zur Grundlage böswilliger Spekulationen. Wuhan zählt elf Millionen ständige Einwohner, im Jahr 2019 starben dort rund 51.000 Menschen. Infolge der strikten Abriegelung der Stadt ruhte die Ausgabe der Asche der Verstorbenen für ganze zwei Monate. Dass es da zu einer gewissen Stockung bei der Abholung kommt, versteht sich von selbst. Eine derartige Berichterstattung über die Lage vor Ort wider den gesunden Menschenverstand macht wirklich fassungslos.

Infektionskrankheiten kennen weder Landesgrenzen noch politische Systemunterschiede. Konfrontiert mit einer neuartigen Lungenentzündung wie Covid-19, derart ansteckend und bösartig, welche Regierung durchläuft da keinen Prozess des Lernens und Erkenntnisgewinns in der Praxis? Welche Landesführung geht die Ergreifung und Lockerung von Maßnahmen nicht mit äußerster Vorsicht an? Das gilt für Deutschland ebenso wie für China. Was Unwissenheit, ja sogar Vorurteile betrifft, ist China stets geduldig und bereit, seine Ansichten und Positionen öffentlich zu erörtern. Gegen gezielte Aktionen allerdings setzen wir uns entschlossen zur Wehr.

Der deutsche Philosoph Immanuel Kant forderte einst, gefragt danach, was Aufklärung sei, Mut zum Gebrauch der eigenen Vernunft. Angesichts großer Katastrophen wie der aktuellen Corona-Pandemie sollten sich alle Menschen mit Mut und Vernunft von den Fesseln ideologischer Vorurteile sowie von Doppelmoral befreien. Jeder sollte die Bemühungen und Ergebnisse Chinas im Kampf gegen das neuartige Coronavirus rational und objektiv betrachten. Pressefreiheit darf auch bei dieser Frage nicht gegen die journalistische Berufsethik und das menschliche Gewissen verstoßen.

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