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Eröffnungsrede von Xi Jinping auf dem Jahrestreffen 2015 des Bo'ao Asien-Forums
2015/05/05

Auf dem Weg zur Schicksalsgemeinschaft – Asien eine neue Zukunft erschließen

Eröffnungsrede auf dem Jahrestreffen 2015 des Bo'ao Asien-Forums

(28. März 2015, Bo'ao, Hainan)

Xin Jinping, Staatspräsident der Volksrepublik China

 

Sehr geehrte Staatsoberhäupter und Regierungschefs,

sehr geehrte Minister und Verantwortliche internationaler und regionaler Organisationen,

sehr geehrte Mitglieder des Vorstandes des Bo'ao Asien-Forums,

meine Damen und Herren, liebe Freunde:

Bevor ich mit meiner Rede beginne, möchte ich im Namen der chinesischen Regierung und des chinesischen Volkes, sowie im Namen aller Teilnehmer am Jahrestreffen 2015 des Bo'ao Asien-Forums tiefe Trauer über den Tod der Passagiere des Germanwings-Fluges 4U9525 zum Ausdruck bringen und allen ihren Hinterbliebenen mein tief empfundenes Mitgefühl aussprechen. Nun lassen Sie mich bitte mit meiner Rede beginnen.

Meine Damen und Herren, liebe Freunde!

Bo'ao begrüßt uns heute mit einem Blick auf das weite Meer, auf dem die Schiffe tanzen, mit einem hohen Himmel und einer warmen Brise. Dass zu dieser schönen Jahreszeit unsere Ehrengäste aus allen Richtungen hier zusammengekommen sind, um gemeinsam über Konzeptionen zur Entwicklung Asiens und zur gemeinsamen Entwicklung Asiens zusammen mit den Regionen der Welt zu sprechen, ist von größter Bedeutung.

Zunächst möchte ich im Namen der Regierung und des Volkes von China, sowie in meinem eigenen Namen alle Gäste zur Teilnahme am Jahrestreffen 2015 des Bo'ao Asien-Forums von Herzen willkommen heißen! Zur Eröffnung des Forums meine herzlichen Glückwünsche!

Das Thema des diesjährigen Bo'ao Asien-Forums lautet: „Asiens neue Zukunft: Auf dem Weg zur Schicksalsgemeinschaft." Dies kann man als ein zeitgerechtes Thema bezeichnen, das sowohl von großer aktueller Relevanz ist, als auch von weitreichender historischer Bedeutung. Ich wünsche mir, dass Sie sich alle lebhaft und offen in die Diskussion einbringen und uns teilhaben lassen an Ihren Einsichten und wertvollen Erkenntnissen zum Frieden und zur Entwicklung Asiens und der Welt.

Meine Damen und Herren, liebe Freunde!

Im Lauf der Geschichte gibt es immer wieder signifikante Momente, die die Menschen dazu bringen, sich zu erinnern und zu reflektieren. In diesem Jahr jährt sich sowohl der Sieg im weltweiten antifaschistischen Krieg als auch der Sieg des chinesischen Volkes im Widerstandskrieg gegen Japan zum 70. Mal, die Vereinten Nationen feiern ihr 70jähriges Bestehen, die Bandung-Konferenz fand vor 60 Jahren statt, und die ASEAN Economic Community wird sich dieses Jahr konstituieren. Dies sind wichtige Jahresdaten, die der Erinnerung wert sind; es ist dies ein wichtiger Zeitpunkt, der dazu anregt, sich die Geschichte deutlich vor Augen zu führen, die Vergangenheit zu bedenken und in die Zukunft zu blicken.

In den letzten 70 Jahren erfuhr die Welt einen präzedenzlosen, tiefen Wandel, der in historischem Ausmaß das Schicksal der Menschheit veränderte. Das weltumspannende Kolonialsystem löste sich auf, die Konfrontation des Kalten Krieges existiert nicht mehr, die Kontakte und die gegenseitige Abhängigkeit zwischen den Ländern nehmen stetig zu; Friede, Entwicklung, Kooperation und gemeinsames Gewinnen bilden eine mächtige Zeitströmung; die internationalen Kräfte entwickeln sich in eine für die Wahrung des Weltfriedens günstige Richtung, und für die Bewahrung einer insgesamt stabileren internationalen Lage und die Förderung einer gemeinsamen Entwicklung aller Länder bestehen günstigere Voraussetzungen.

In den letzten 70 Jahren hat sich die Situation Asiens gewandelt wie nie zuvor. Die Länder der Region haben ihre nationale Unabhängigkeit verwirklicht und ihr Schicksal in die eigenen Hände genommen. Damit stärkten sie die Kräfte zur Erhaltung des Friedens in ihrer Region und in der Welt. Von den Ländern Asiens ging zuerst die Initiative zu den Fünf Prinzipien der friedlichen Koexistenz aus, und auf der Bandung-Konferenz verkündeten sie zusammen mit den afrikanischen Staaten die Zehn Prinzipien von Bandung für die Behandlung der zwischenstaatlichen Beziehungen. Nach dem Ende des Kalten Krieges bildete sich bei den Ländern Asiens in der Praxis der Stärkung der regionalen Zusammenarbeit schrittweise der asiatische Stil des gegenseitigen Respekts, der gegenseitigen Abstimmung und der Rücksicht auf die Befindlichkeiten der anderen Länder heraus. Dies alles sind historische Beiträge zur korrekten Behandlung der zwischenstaatlichen Beziehungen und zum Aufbau von internationalen Beziehungen neuen Typs.

In den letzten 70 Jahren haben immer mehr asiatische Länder einen ihren nationalen Gegebenheiten entsprechenden Entwicklungsweg gefunden. Von Armut und Rückständigkeit gelangten sie zu Entwicklung und Aufschwung und auf die Überholspur der wirtschaftlichen Entwicklung. Die regionale wie die überregionale Kooperation stehen in voller Blüte, der Aufbau der gegenseitigen Verbindungen und Vernetzung beschleunigt sich und zeigt ein lebendiges Bild des gegenseitigen Wetteiferns. Asien steht bereits für ein Drittel des globalen Wirtschaftsvolumens, und es ist heute eine der Regionen mit der größten Entwicklungskraft und dem größten Entwicklungspotential, und im Rahmen der globalen strategischen Konstellation nimmt sie zunehmend eine höhere Position ein.

In den letzten 70 Jahren sind die Länder Asiens schrittweise über ideologische Differenzen und unterschiedliche Gesellschaftssysteme hinweg von gegenseitiger Abschottung zu Öffnung und Inklusivität gelangt, sie lösten sich von argwöhnischer Isolation und stärkten ihr gegenseitiges Vertrauen und den Konsens; immer mehr werden sie zu einer eng verflochtenen Schicksalsgemeinschaft. In ihrem Ringen um nationale Unabhängigkeit und in den schwierigen Zeiten der Auseinandersetzung mit der asiatischen Finanzkrise und der internationalen Finanzkrise sowie bei der Bewältigung von Naturkatastrophen wie dem Tsunami im Indischen Ozean und dem schweren Erdbeben im chinesischen Wenchuan haben die Staaten und Völker Asiens sich gegenseitig unterstützt und eine um die andere Notlage und Herausforderung überwunden und bewältigt. Dabei bewiesen sie die Solidarität von Menschen, die im gleichen Boot sitzen, sowie enorme Kräfte zur Bewältigung von Schwierigkeiten, ein weiteres Beispiel dafür, dass sich wahre Freundschaft in der Not zeigt. Zur gleichen Zeit gibt es in der asiatischen Region noch einige von der Geschichte hinterlassene Probleme sowie aktuelle Widersprüche und Differenzen, Asien ist mit verschiedenen traditionellen und nicht-traditionellen Sicherheitsbedrohungen konfrontiert, und die Länder haben nach wie vor schwierigste Aufgaben in Bezug auf Wirtschaftsentwicklung, Verbesserung der Lebensbedingungen und Armutbekämpfung zu lösen.

Im Rückblick auf die letzten 70 Jahre kann man sagen, dass die heute in Asien erreichten Entwicklungserfolge das Ergebnis eines von den Völkern Asiens über Generationen geführten Kampfes sind, und sie sind das Ergebnis der Bemühungen vieler Politiker und visionärer Persönlichkeiten. Morgen wird Singapur für Lee Kuan Yew ein Staatsbegräbnis abhalten. Lee Kuan Yew war ein Stratege und Politiker, der den Respekt der internationalen Gemeinschaft genoss; er hat hervorragende Beiträge geleistet für den Frieden und die Entwicklung Asiens, sowie für den Austausch und die Zusammenarbeit zwischen Asien und der Welt. Ich möchte die Gelegenheit ergreifen, um an dieser Stelle allen weitsichtigen Persönlichkeiten der Vergangenheit, einschließlich Lee Kuan Yew, die sich um den Frieden und die Entwicklung Asiens verdient gemacht haben, meine tiefe Verehrung zum Ausdruck zu bringen.

Meine Damen und Herren, liebe Freunde!

Asien gehört zur Welt. Wenn Asien eine Schicksalsgemeinschaft werden will, wenn es sich eine neue Zukunft erschließen will, dann muss es dabei zusammen mit der übrigen Welt voranschreiten, muss sich innerhalb der Strömungen der globalen Entwicklung entwickeln.

Derzeit erfährt die Weltlage weiterhin einen tiefgreifenden und komplizierten Wandel, die Welt wird multipolarer, die Globalisierung der Wirtschaft vertieft sich, die kulturelle Diversifizierung wie die Informatisierung der Gesellschaft schreiten weiter voran, und die Anpassung und Evolution der internationalen Lage und der internationalen Ordnung beschleunigen sich. Die Länder der Welt bemühen sich nach Kräften um eine Neujustierung ihrer jeweiligen Entwicklungsstrategien; sie treiben Neuerung und Innovation voran, ändern ihre Modelle der wirtschaftlichen Entwicklung, passen ihre Wirtschaftsstruktur an und schaffen sich neue Entwicklungsräume.

Gleichzeitig befindet sich die Weltwirtschaft nach wie vor in einer tiefgreifenden Anpassungsphase, Risiken wie niedriges Wachstum, niedrige Inflation und niedrige Nachfrage im Verein mit hoher Arbeitslosigkeit, hoher Verschuldung und hoher Blasenbildung sind miteinander verwoben. Die Tendenzen und die politischen Zielrichtungen der wichtigsten Volkswirtschaften gehen weiterhin auseinander, die Unwägbarkeiten des wirtschaftlichen Umfeldes sind nach wie vor deutlich sichtbar. Geopolitische Faktoren treten stärker hervor, begrenzte Konflikte treten häufig und verbreitet auf, und nicht-traditionelle globale Herausforderungen wie Terrorismus, Cybersicherheit, Lebensmittelsicherheit, Klimawandel und schwere Epidemien nehmen ständig zu; die Entwicklungskluft zwischen Nord und Süd ist nach wie vor sehr breit. Das große Werk der Förderung des Friedens und der Entwicklung der Menschheit hat noch einen weiten und beschwerlichen Weg vor sich.

Die Menschheit hat nur diese eine Erde, alle Länder koexistieren in einer Welt. Nur wenn es der Welt gut geht, kann es Asien gut gehen, nur wenn es Asien gut geht, kann es der Welt gut gehen. Angesichts der wetterwendischen internationalen und regionalen Lage müssen wir die globalen Tendenzen sicher erkennen und im Einklang mit den Strömungen unserer Epoche gemeinsam eine für Asien und die Welt noch vorteilhaftere regionale Ordnung errichten. Auf dem Wege unserer Entwicklung hin zu einer asiatischen Schicksalsgemeinschaft müssen wir die Bildung einer Schicksalsgemeinschaft der gesamten Menschheit auf den Weg bringen. Dazu möchte ich meine Auffassungen äußern und mich mit unseren Gästen austauschen.

- - Auf dem Wege zu einer Schicksalsgemeinschaft müssen alle Länder am gegenseitigen Respekt und am gleichberechtigten Umgang miteinander festhalten. Gleich ob ein Land groß oder klein ist, stark oder schwach, weniger oder mehr entwickelt – alle sind sie gleichberechtigte Mitglieder der Völkergemeinschaft, alle haben sie das Recht, gleichberechtigt an den regionalen und internationalen Angelegenheiten zu partizipieren. Mit Dingen, die alle betreffen, müssen sich alle Länder in gemeinsamen Verhandlungen befassen. Ein großes Land zu sein bedeutet, dass man eine größere Verantwortung für den Frieden und die Entwicklung seiner Region und der Welt hat, und nicht, dass man ein Monopol auf die regionalen und internationalen Angelegenheiten beanspruchen kann.

Gegenseitiger Respekt und gleichberechtigter Umgang bedeuten zu allererst, dass man das selbst gewählte Gesellschaftssystem und den selbst gewählten Entwicklungsweg jedes Landes zu respektieren hat, dass man wechselseitig die Kerninteressen und die wichtigen Anliegen des Anderen respektiert, dass man eine objektive und rationale Haltung einnimmt gegenüber den Überzeugungen, nach denen andere Länder erstarken und Politik betreiben wollen, dass man sich unter Ausklammerung oder Lösung der Differenzen um Gemeinsamkeiten bemüht. Man muss gemeinsam die schwer errungene friedliche und stabile Situation und das gute Entwicklungsmomentum Asiens bewahren und sich gegen jede Einmischung in die inneren Angelegenheiten anderer Länder und gegen jede Störung der regionalen Lage aus eigennützigen Gründen stellen.

- - Auf dem Weg zu einer Schicksalsgemeinschaft muss man an der Zusammenarbeit zum gemeinsamen Gewinnen und zur gemeinsamen Entwicklung festhalten. Unsere Freunde in Südostasien pflegen zu sagen „Wenn das Wasser steigt, dann wächst der Lotos in die Höhe", unsere afrikanischen Freunde haben die Redensart „Alleine reist man schnell, zusammen kommt man weit", die europäischen Freunde haben das Sprichwort „Ein Baum allein schützt nicht vor dem kalten Wind", und in China sagt man „Wenn die großen Flüsse Wasser führen, dann füllen sich auch die kleinen, wenn die kleinen Flüsse Wasser führen, dann füllen sich auch die großen". Gemeint ist damit immer das gleiche Prinzip, dass man nämlich nur durch Zusammenarbeit zum gemeinsamen Gewinnen große Dinge, gute Dinge und bleibende Dinge zuwege bringen kann. Man muss das alte Denken des Nullsummenspiels über Bord werfen, nach dem man selbst gewinnt, wenn der Andere verliert; man muss eine neue Philosophie des beiderseitigen bzw. allseitigen Gewinnens aufbauen; man muss bei der Verfolgung der eigenen Interessen gleichzeitig die Interessen der anderen Seiten berücksichtigen und beim Streben nach eigener Entwicklung auch die gemeinsame Entwicklung fördern.

Das Prinzip von Zusammenarbeit und gemeinsamem Gewinnen gilt nicht nur für die Wirtschaft, sondern auch für weite Bereiche wie Politik, Sicherheit und Kultur; es gilt nicht nur für die Länder einer Region, sondern auch für die Zusammenarbeit mit Ländern außerhalb der eigenen Region. Man muss die Abstimmung der makro-wirtschaftspolitischen Maßnahmen verstärken, man muss den negativen externen Effekten vorbeugen, die geänderte wirtschaftspolitische Maßnahmen anderer Volkswirtschaften möglicherweise mit sich bringen, man muss die Umgestaltung der globalen Wirtschafts-Governance aktiv voranbringen; man muss das offene Weltwirtschaftssystem erhalten und den Risiken und Herausforderungen der Weltwirtschaft gemeinsam entgegentreten.

China und die ASEAN werden Hand in Hand eine noch engere Schicksalsgemeinschaft China-ASEAN aufbauen; ASEAN und China, Japan und die Republik Korea bemühen sich um die Bildung einer Wirtschaftsgemeinschaft Ostasien bis 2020. Es gilt, aktiv ein Netz asiatischer Freihandelszonen knüpfen; wir bemühen uns, bis zum Jahr 2015 die Gespräche zur zum Upgrading der Freihandelszone China-ASEAN sowie die Verhandlungen sowie über ein Abkommen zu umfassenden regionalen Wirtschafts-Partnerschaftsbeziehungen abzuschließen. Gleichzeitig mit der Förderung der wirtschaftlichen Integration Asiens müssen wir am offenen Regionalismus festhalten und die überregionale Zusammenarbeit, einschließlich der APEC, koordiniert vorantreiben.

Wir müssen aktiv den Aufbau eines Systems der regionalen Finanzzusammenarbeit aufbauen, die Möglichkeiten der Schaffung einer Plattform für den Austausch und die Zusammenarbeit der Finanzinstitutionen Asiens ausloten und ein komplementäres Voranschreiten sowie eine koordinierte Entwicklung der Asian Infrastructure Investment Bank (AIIB), der Asian Development Bank und der Weltbank anstoßen. Die konkrete Kooperation auf Gebieten wie Währungsstabilität, Investition und Finanzierung, sowie Rating muss verstärkt werden; der multilaterale Aufbau der Chiang-Mai-Initiative muss vorangebracht werden, um ein regionales Finanz-Sicherheitsnetz zu knüpfen. Der Aufbau eines asiatischen Kooperationsmechanismus in Bezug auf die Energieressourcen ist voranzutreiben, um die Energiesicherheit zu gewährleisten.

China setzt sich dafür ein, möglichst bald Rahmenpläne für die Konnektivität in Ostasien und Asien zu definieren, um eine gesamtheitliche Integration von Infrastruktur, politischer Planung und personellem Austausch zu schaffen. Wir müssen die maritime Konnektivität stärken, den Aufbau von asiatischen Institutionen der maritimen Zusammenarbeit forcieren und die Kooperation auf Gebieten wie der maritimen Wirtschaft, dem Umweltschutz, dem Katastrophenmanagement und dem Fischereiwesen fördern, um so die Meere zu Meeren des Friedens, der Freundschaft und der Zusammenarbeit zu machen, die Asien mit der Welt verbinden.

- - Auf dem Weg zu einer Schicksalsgemeinschaft müssen wir an gemeinsamer, umfassender, kooperativer und nachhaltiger Sicherheit festhalten. In der heutigen Welt sind die Inhalte und Implikationen von Sicherheit reichhaltiger, von Zeit und Raum her ausgedehnter, und die verschiedenen Faktoren bilden komplexe Zusammenhänge. Die Schicksale der Völker aller Länder sind miteinander verwoben, jedes ist von den anderen abhängig. In der heutigen Welt gibt es kein Land, das losgelöst von der globalen Sicherheit für sich allein sicher sein kann, und es kann auch keine Sicherheit geben, die auf die fehlende Sicherheit anderer Länder aufgebaut ist. Wir müssen das Denken des Kalten Krieges über Bord werfen, eine neue Sicherheitsphilosophie kreieren und uns bemühen, einen asiatischen Sicherheitsweg des gemeinsamen Aufbaus, der gemeinsamen Nutzung und des gemeinsamen Gewinnens zu finden.

Jedes Land hat das gleiche Recht zur Partizipation an den Sicherheitsangelegenheiten der Nation, und es hat auch die gleiche Verantwortung bei der Wahrung der Sicherheit in der Region; die vertretbaren Sicherheitsanliegen jedes Landes müssen respektiert und gewährleistet werden. Man muss die historischen Zusammenhänge ebenso wie die aktuelle Lage der Sicherheitsfragen Asiens in ihrer Gesamtheit berücksichtigen und eine alle Aspekte einbeziehende ganzheitliche Politik betreiben, man muss die Ordnung der regionalen Sicherheit koordiniert vorantreiben und von einer Gesamtschau ausgehend die traditionelle und nicht-traditionelle Sicherheit der Region bewahren.

Man muss über Dialog und Kooperation die Sicherheit der einzelnen Länder und der Region fördern, man muss über Kooperation den Frieden planen und die Sicherheit voranbringen. Man muss daran festhalten, Konflikte mit friedlichen Mitteln zu lösen und sich dagegen wenden, dass willkürlich Waffengewalt eingesetzt oder mit ihr gedroht wird. Man muss konsequent der Entwicklung und der Sicherheit einen gleich hohen Stellenwert zuweisen und mit nachhaltiger Entwicklung eine nachhaltige Sicherheit herbeiführen. Die Länder Asiens müssen die Zusammenarbeit mit den Ländern anderer Regionen und mit den einschlägigen Organisationen verstärken. Ich rufe alle Seiten auf, in Bezug auf Asiens Entwicklung und Sicherheit eine proaktive und konstruktive Rolle zu übernehmen.

- - Auf dem Weg zu einer Schicksalsgemeinschaft müssen wir an Inklusivität sowie dem Austausch und dem Voneinander-Lernen der verschiedenen Kulturen festhalten. Im langen Lauf der Geschichte sind viele alte Kulturen entstanden, wie in Asien in den Einzugsgebieten der Flüsse Huanghe, Changjiang, Indus, Ganges, Euphrat und Tigris, sowie in Südostasien; alle diese Kulturen profitieren von einander, und sie haben für den Fortschritt der menschlichen Zivilisation Bedeutendes geleistet. Im heutigen Asien ist die Vielgestaltigkeit nach wie vor ein hervorstechendes Merkmal. Verschiedene Kulturen, Nationen und Religionen treffen aufeinander und verbinden sich, und sie alle bilden zusammen die facettenreiche große Familie Asiens.

Menzius, ein Denker des chinesischen Altertums, hat einmal gesagt: „Es ist das Wesen der Dinge, verschieden zu sein". Verschiedene Kulturen unterscheiden sich nicht in ihrem Wert, sondern nur in ihren Besonderheiten. Man muss den Austausch und Dialog zwischen den verschiedenen Kulturen und Entwicklungsmodellen fördern und die jeweiligen Stärken anderer übernehmen, um seine eigenen Defizite auszugleichen, man muss sich im Zuge des Austauschs und des Lernens von einander gemeinsam entwickeln; man muss aus diesem Voneinander-Lernen der Kulturen eine Brücke zur Förderung der Völkerfreundschaft, eine Triebkraft für den Fortschritt der Menschheit und ein verbindendes Band zur Wahrung des Weltfriedens machen.

China ruft dazu auf, eine Konferenz für den Dialog der Kulturen Asiens einzuberufen, um so den Jugendaustausch, den Austausch zwischen nichtstaatlichen Körperschaften, lokalen Organisationen und Medien zu stärken, sowie dazu, ein Netzwerk für den Kooperationsaustausch für Thinktanks zu schaffen, damit die Völker Asiens ein noch inhaltsreicheres geistiges Leben genießen können, und damit die Entwicklung und Zusammenarbeit in der Region an Vitalität und Ausstrahlung gewinnen.

Meine Damen und Herren, liebe Freunde!

Das Chinesische Volk ist dabei, gemäß der strategischen Gesamtplanung zum umfassenden Aufbau einer Gesellschaft mit bescheidenem Wohlstand, zur umfassenden Vertiefung der Reformen, zur umfassenden gesetzesgemäßen Verwaltung des Staates und zur umfassenden strengen Verwaltung der Partei mit vereinten Kräften für die Umsetzung der „zwei Centennien-Ziele" und die Verwirklichung des chinesischen Traums von der großen Renaissance der chinesischen Nation zu kämpfen. Ich möchte bei dieser Gelegenheit noch einmal erklären: Bei seinem Voranschreiten wird China entschlossen und unverrückbar an seinem Weg der friedlichen Entwicklung festhalten; es wird unverrückbar festhalten an seinem Bekenntnis zur gemeinsamen Entwicklung, und es wird auch an seiner Politik der kooperativen Entwicklung im asiatisch-pazifischen Raum unverrückbar festhalten.

Chinas Wirtschaftsentwicklung tritt in eine neue Normalität ein. Es gibt eine Wende vom sehr schnellen Wachstum hin zu einem mittleren bis hohen Wachstum, von einem extensiven Wachstum des Volumens hin zu einem von Qualität und Effizienz geprägten intensiven Wachstum, von einem durch hohen Input getriebenen Wachstum hin zu einem innovationsgetriebenen Wachstum. 2014 erreichte China ein Wachstum von 7,4%, die Arbeitsproduktivität stieg um 7%, und der Energieverbrauch pro BIPEinheit sank um 4,8%. Der Beitrag des Inlandskonsums ist gewachsen, der Dienstleistungssektor hat sich schneller entwickelt, Qualität und Effizienz haben stetig zugenommen. Bei der Betrachtung der Wirtschaft Chinas dürfen wir nicht nur auf die Wachstumsraten schauen; das Wirtschaftsvolumen hat sich ja stetig vergrößert, ein Zuwachs von 7% ist heute schon sehr ansehnlich, und der dadurch beigetragene Impuls ist größer als bei den früheren zweistelligen Wachstumsraten.

Die chinesische Wirtschaft hat ein großes Volumen, sie ist flexibel und reich an Reserven; sie verfügt über viel Manövrierraum, und es gibt viele politische Hebel. China wird sich bewusst an die neue Normalität der Wirtschaftsentwicklung anpassen und dabei die Kontrolle behalten, es wird konsequent die Erhöhung ihrer Qualität und Effizienz in den Mittelpunkt stellen und ein noch größeres Augenmerk auf die Veränderung des Entwicklungsmodus und auf die Strukturreformen legen; es wird die Wirtschaftsentwicklung noch konkreter vorantreiben, es wird noch tatkräftiger die Lebensverhältnisse der Bevölkerung sichern und verbessern, um so die stabile und gesunde Entwicklung von Wirtschaft und Gesellschaft zu fördern.

Der Eintritt von Chinas Wirtschaftsentwicklung in eine neue Normalität wird allen Ländern der Welt, auch denen Asiens, neue Markt-, Wachstums-, Investitions- und Kooperationschancen eröffnen. Im Zeitraum der kommenden fünf Jahre wird Chinas Warenimport den Wert von 10 Billionen US-Dollar übersteigen, es wird mehr als 500 Milliarden US-Dollar im Ausland investieren, und die Zahl der grenzüberschreitenden Reisen wird die 500-Millionen-Marke übertreffen. China wird an seiner grundlegenden Politik der Öffnung nach außen festhalten, es wird stetig seine Investitionsbedingungen verbessern und die legitimen Rechte und Interessen der Investoren schützen; es wird zusammen mit den anderen Ländern den Zug der Entwicklung Asiens anschieben, mit der Richtung in eine noch glänzendere Zukunft.

China benötigt am allermeisten harmonische und stabile Verhältnisse im Inneren, sowie ein ruhiges und friedliches internationales Umfeld; Unruhen und Kriege entsprechen nicht den Grundinteressen des chinesischen Volkes. Die chinesische Nation ist seit jeher friedliebend, seit den ältesten Zeiten schätzt es Ideen wie „Friede ist das Wertvollste", „Schaffung von Harmonie zwischen allen Ländern" und „Alle Menschen innerhalb der vier Meere sind Brüder". China hat beginnend im 19. Jahrhundert ein Jahrhundert der Wirren und der Kriege durchlitten, und das chinesische Volk wird keinesfalls die schrecklichen Erfahrungen, die es selbst erleben musste, anderen Ländern und Nationen aufzwingen. Wenn man in die Geschichte blickt, dann ist noch jedes Land letztlich gescheitert, das seine Entwicklungsziele mit Waffengewalt durchsetzen wollte. China wird konsequent und unbeirrt an seiner selbstbestimmten und friedlichen Außenpolitik festhalten, ebenso an seinem friedlichen Entwicklungsweg und an seiner offenen Strategie des wechselseitigen Nutzens und des gemeinsamen Gewinnens; es wird den korrekten Begriff von Moral und Interessen beibehalten und den Aufbau von internationalen Beziehungen eines neuen Typs vorantreiben, deren Kern die Kooperation und das gemeinsame Gewinnen bilden, und es wird immer eine stabile Kraft für die Wahrung des Weltfriedens und die Förderung gemeinsamer Entwicklung bilden.

„Nahe Nachbarn sind wichtiger als ferne Verwandtschaft", das ist eine elementare Lebensweisheit, die den Chinesen schon seit langem bekannt ist. China hält an guten, partnerschaftlichen und freundlichen Beziehungen mit seinen Nachbarn fest, die diesen Frieden und Prosperität bringen, es folgt dem Prinzip von Freundschaft, Aufrichtigkeit und Entgegenkommen; es vertieft unablässig die Kooperationsbeziehungen zum wechselseitigen Nutzen und die engen Verbindungen mit den Staaten in seinem Umfeld, und es bemüht sich darum, seine eigene Entwicklung den Ländern in seinem Umfeld noch stärker zugute kommen zu lassen. China hat bereits mit acht Ländern in seinem Umfeld Verträge über gutnachbarschaftliche Freundschafts - und Kooperationsbeziehungen abgeschlossen, und es steht mit ASEAN in Verhandlungen über einen solchen Vertrag; es ist bereit, mit allen Ländern in seinem Umfeld solche Verträge zu schließen, um damit die Entwicklung der jeweiligen bilateralen Beziehungen sowie den Wohlstand und die Stabilität der Region wirksam zu untermauern.

Als ich im Jahre 2013 Kasachstan und Indonesien besuchte, stellte ich die Initiativen zum Aufbau des „Wirtschaftsgürtels Seidenstraße" bzw. der „maritimen Seidenstraße des 21. Jahrhunderts" vor. Die Kooperationsinitiative „Ein Gürtel, eine Straße" kommt den Entwicklungsbedürfnissen Chinas, denen der an den Routen liegenden Länder und der Region allgemein entgegen, sie entspricht dem gemeinsamen Interesse aller beteiligten Seiten, und sie korrespondiert mit der regionalen und globalen Strömung der verstärkten Zusammenarbeit.

Der Aufbau von „Ein Gürtel, eine Straße" folgt den Prinzipien der gemeinsamen Abstimmung, des gemeinsamen Aufbaus und der gemeinsamen Teilhabe. Es ist kein abgeschottetes, sondern ein offenes und inklusives Projekt. Es ist kein Solostück für China, sondern ein Chor, in den alle auf den Routen liegenden Länder einstimmen. „Ein Gürtel, eine Straße" soll nicht die bereits bestehenden Mechanismen und Initiativen der regionalen Zusammenarbeit ersetzen, sondern es soll auf der Basis des bereits Bestehenden bewirken, dass die Entwicklungsstrategien der so verbundenen Länder aneinander andocken und sich mit ihren jeweiligen Stärken gegenseitig ergänzen. Derzeit haben bereits 60 auf den Routen liegende Länder sowie internationale Organisationen ihre positive Haltung zur Teilnahme am Aufbau von „Ein Gürtel, eine Straße" signalisiert. Sowohl „Ein Gürtel, eine Straße" als auch die AIIB sind offen konzipiert, und wir heißen die auf den Routen liegenden sowie die anderen asiatischen Länder willkommen, aktiv zu partizipieren. Wir laden ebenso die Freunde auf allen fünf Kontinenten mit offenen Armen ein, sich an diesem großen Werk zu beteiligen.

„Ein Gürtel, eine Straße" ist kein bloßes Schlagwort, es ist ein reales Unternehmen, das man sehen und berühren kann, es wird den Ländern der Region handfesten Nutzen bringen. Durch die Bemühungen aller beteiligten Seiten ist das Aktionsdokument für die Vision des Aufbaus von „Ein Gürtel, eine Straße" bereits fertiggestellt, und die Vorbereitungsarbeit für die AIIB macht substantielle Fortschritte, der Seidenstraßenfonds ist erfolgreich gestartet, und eine Reihe von Infrastrukturprojekten zugunsten der Konnektivität kommen zügig voran. Diese schon in der Anfangsphase erzielten Erfolge führen uns die großen Perspektiven von „Ein Gürtel, eine Straße" deutlich vor Augen.

Meine Damen und Herren, liebe Freunde!

Friede und Entwicklung für die Menschheit, das ist eine erhabene Aufgabe, aber auch eine Aufgabe, die viele Herausforderungen birgt. Das Voranschreiten wird nicht immer reibungslos vonstatten gehen, und die erhofften Ergebnisse werden uns nicht in den Schoß fallen. Ganz gleich, welche Windungen der Weg bereit hält und wie lang er ist, der Sieg gehört immer denen, die niemals aufgeben, und die unbeirrt durch Rückschläge Hand in Hand ihren Weg weitergehen. In bin der Überzeugung, dass wir, wenn wir nur alle das Ziel erkannt haben und es unermüdlich verfolgen, mit Sicherheit solidarisch einer Schicksalsgemeinschaft entgegengehen können und Asien eine neue Zukunft eröffnen werden.

Zuletzt möchte ich der Jahrestagung einen vollen Erfolg wünschen.

Vielen Dank!

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