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Geschichte
2004/04/29
China ist ein vereinigter Nationalitätenstaat, Tibet ist von alters her ein unabtrennbarer Bestandteil Chinas. Schon früher hatten die Vorfahren der heutigen Tibeter mit der Han-Bevölkerung im zentralen Gebiet Chinas Beziehungen hergestellt. Im Laufe der Zeit vereinigten sich viele Stämme auf dem Tibet-Hochplateau zur jetzigen tibetischen Nationalität. Die Tubo-Nationalität Anfang des 7. Jahrhunderts trat Chinas Geschichte in eine neue Periode ein. Die Tang-Dynastie (618-907) begründete eine starke einheitliche Staatsgewalt und beendete die 300jährige chaotische Spaltung im zentralen Gebiet Chinas. Gleichzeitig vereinigte der tibetische Nationalheld Songtsan Gampo auf dem Tibet-Hochplateau über zehn Stämme und Sippen. Er gründete die Tubo-Dynastie, deren Hauptstadt Lhasa wurde. Songtsan Gampo strebte danach, mit der Tang-Dynastie freundschaftliche Beziehungen herzustellen und fortgeschrittene Produktionstechniken sowie politische und kulturelle Errungenschaften des Han-Volkes in Tibet einzuführen. Er schickte zweimal Gesandte nach Chang’an (das heutige Xi’an), um dem Tang-Kaiser den Vorschlag einer ehelichen Verbindung zu unterbreiten, und heiratete dann im Jahr 641 die Tang-Prinzessin Wencheng. Die Prinzessin war eine Nichte des Kaisers Taizong und damit ein Mitglied der kaiserlichen Familie. Songtsan Gampo übernahm so dann Produktionstechniken wie die Papierherstellung und den Gebrauch von Steinmühlen, er schickte Kinder von Adligen nach Chang’an zum Studium, stellte Han-Gelehrte in Tibet an und pflegte freundschaftliche Beziehungen mit der Tang-Dynastie in den Bereichen Politik, Wirtschaft und Kultur. Der Tang-Kaiser Gaozong verlieh Songtsan Gampo den Titel „Fuma Duwei“ („Fuma“ bedeutet Schwiegersohn des Kaisers, „Duwei“ ist ein alter Beamtentitel) und belohnte ihn mit dem Rang eines „Königs der Länder des Westmeeres“. Später verlieh Gaozong ihm noch den Titel „Geschätzter König“. Die von Songtsan Gampo begründete „Onkel-Neffen-Beziehung“ zwischen der Tubo- und der Tang-Dynastie währte über 200 Jahre. Im Jahr 710 verheiratete sich die Tang-Prinzessin Jincheng mit dem tibetischen König Tride Tsugtan. Sie brachte eine große Menge Brokat sowie technische Bücher und Gebrauchsgegenstände nach Tibet mit. Auf ihre Initiative kamen buddhistische Mönche aus Yutian, dem heutigen Xinjiang, und anderen Gebieten nach Tibet, um hier Tempel und Klöster zu bauen und Sutren zu übersetzen. Im Jahr 821 schickte der Tubo-König Triral Panchen dreimal hintereinander Gesandte nach Chang’an mit dem Vorschlag, ein Bündnis zu schließen. Tang-Kaiser Muzong ließ seinen Kanzler und verschiedene Minister mit der Gesandtschaft von Tubo verhandeln. Im nächsten Jahr schickte das Tang-Reich Gesandte nach Tubo, wo das Bündnis geschlossen wurde. Es gibt drei Stelen mit Inschriften über das Bündnis, eine davon vor dem Jokhang-Kloster in Lhasa. Spaltung des Gebiets Tibet Im Jahr 842 spaltete sich die Tubo-Dynastie wegen innerer Zerwürfnisse und Machtkämpfe innerhalb der königlichen Familie sowie wegen der von Sippen und Stämmen und von Offizieren. Viele lokale Regime wurden dort errichtet. Diese Regime, die je ein Gebiet besetzt hielten, kämpften gegeneinander. Die kriegerischen Auseinandersetzungen dauerten über 400 Jahre. Vereinigung Tibets mit China in der Mitte des 13. Jahrhunderts Anfang des 13. Jahrhunderts gründete der mongolische Führer Dschingis Khan (1162-1227) im Norden Chinas das mongolische Reich. 1247 traf der tibetische Führer der Sekte Sakyapa, Sapan Gongar Gyamcan, mit Go Tan, einem Sohn des mongolischen Königs, in Liangzhou (heute Wuwei, Provinz Gansu) zusammen, mit dem er die Bedingungen für eine Eingliederung Tibets ins mongolische Reich aushandelte. Das lokale Regime Sakya wurde errichtet. Ab 1271 nannten die Mongolen ihre Herrschaft Yuan-Dynastie, und im Jahr 1279 vereinigte sie China und gründete eine einheitliche Macht. Tibet wurde zu einem Verwaltungsgebiet Chinas, das direkt von der zentralen Regierung der Yuan-Dynastie verwaltet wurde. Als Kublai Khan (1215-1294) im Jahr 1260 auf den Thron kam, wurde Pagpa, der Dharmakönig der Sykyapa-Sekte des tibetischen Buddhismus, sein „Staatslehrmeister“. Im Jahr 1264 gründete Kublai eine Kommission für die Verwaltung Tibets. Pagpa wurde zum Leiter dieser Institution und zum Statthalter Tibets ernannt. 1265 verlieh Kublai Khan Pagpa die Titel „Großer Dharmakönig“ und „Kaiserlicher Lehrmeister“, und auf Pagpas Vorschlag ernannt er den Beamten für die Verwaltungsangelegenheiten Tibets und 13 Wanhu-Vorsteher. 1268, 1287 und 1334 schickte die Yuan-Regierung Beamte nach Tibet, um dort die Zahl der Mitglieder aller Haushalte zu überprüfen, 15 Poststationen zu errichten, eine Verkehrslinie von Tibet nach Dadu (heute Beijing) einrichten zu lassen und die Frondienste in Tibet zu regeln. Seit alters untersteht Tibet der Zentralregierung Seit Tibet Mitte des 13. Jahrunderts dem Territorium der Yuan-Dynastie offiziell angegliedert wurde, stand es stets unter der Verwaltung der Zentralregierung, ungeachtet der Wechsel der Dynastien. Mitte des 14. Jahrhunderts verfiel die Sakya-Lokalmacht allmählich. Im Jahr 1354 übernahm die Pagdu-Kagyupa-Sekte mit Changchub Gyaltsan (Regierungszeit 1354-1371) an der Spitze die Herrschaft über die meisten Gebiete Tibets. So entstand das feudal-theokratische Pagdu-Lokalregime. Die Zentralregierung der Yuan-Dynastie erkannte die Lokalregierung an und verlieh Changchub Gyaltsan den Titel „Dasitu“ (Lokalbeamter). Nach der Gründung der Ming-Dynastie im Jahr 1368 wurde eine Belehnungspolitik durchgeführt, und den Anführern der religiösen Sekten wurden Titel wie „Gottkönig“, „König der Gesetze“ und „Großer Kaiserlicher Lehrer“ verliehen. Die Erbfolge mußte vom Kaiser genehmigt werden. Damals erstarkte die Gelugpa-Sekte, der die beiden Großen Lebenden Buddhas, der Dalai Lama und der Panchen Lama, angehörten. Der 3. Dalai Lama Sonam Gyatso (1544-1588) brachte dem Ming-Hof Gaben dar und bekam den Titel „Dorjichang“ (Vajradhara Dalai Lama). Die Zentralregierung der Ming-Dynastie behielt die Ämter und Rangstufen der Yuan-Dynastie größtenteils bei. Für die militärische und zivile Verwaltung wurden in der Mitte und im Ostteil des heutigen Tibet zwei Unterhauptquartiere eingerichtet (in Dbus-Gtsang und Mdo-Khams) sowie in Ngari die „Kommandantur E-Li-Si“. Gleichzeitig errichtete das Pagdu-Regime ein System von Kreisvorstehern (Dzongbon). Der Ming-Hof übergab allen Anführern öffentliche Funktionen, so daß sie sowohl Dzongbon als auch ernannte Beamte der Zentralregierung waren. Im Jahr 1644 wurde die Ming-Dynastie von der Qing-Dynastie abgelöst, die die Kontrolle über Tibet verstärkte. Die Politik der Zentralregierung bezüglich einer souveränen Verwaltung Tibets wurde weiter vervollkommnet. Der Qing-Kaiser Shunzhi (1644-1661) lud den 5. Dalai Lama mehrmals in die Hauptstadt ein, wo er ihm 1653 in Form einer goldenen Urkunde und eines Goldsiegels den Titel „Dailai Lama, Bewahrer der Vajra“ verlieh. Im Jahr 1713 verlieh der Kaiser Kangxi (1662-1722) dem 5. Panchen Lobsang Yeshe den Titel „Panchen Erdini“. Von da an herrschten die Dalai Lamas über Lhasa und die meisten Gebiete Tibets und die Panchen Lamas über Xigaze und die anderen Gebiete. Im Jahr 1727 entsandte der Qing-Hof einen Hochkommissar nach Tibet, der als Vertreter der Zentralregierung die lokalen Behörden überwachte. Zu dieser Zeit wurden die Grenzen zwischen Tibet, Sichuan, Yunnan und Qinghai offiziell festgelegt. Gleichzeitig ernannte die Qing-Zentralregierung verdiente tibetische Beamte zu „Galoins“ (Verwaltungsbeamte für Tibet). Später, im Jahr 1750, wurde das Präfektur-System abgeschafft und die tibetische Lokalregierung „Kasha“ gegründet. Fortan regelten der Hochkommissar und der Dalai Lama gemeinsam die tibetischen Angelegenheiten. Im Jahr 1793 erließ die Qing-Regierung eine 29-Punkte-Vorschrift über die Amtsbefugnisse der Hochkommissare in Tibet, die Reinkarnationen der Dalai Lamas und Panchen Lamas sowie anderer Lebender Buddhas, die militärischen Angelegenheiten an der Grenze, die auswärtigen Angelegenheiten, die Finanzverwaltung, die Gabendarbringung und Verwaltung der Klöster und über weitere Fragen. Diese 29-Punkte-Vorschrift regelte über hundert Jahre lang die lokale Verwaltung in Tibet, sie hatte den Standard von Gesetzen. Im Jahr 1911 brach in China die Xinhai-Revolution aus, die zur Gründung der Republik China (1912-1949) führte, in der sich Han, Mandschuren, Mongolen, Hui, Tibeter und andere Nationalitäten vereinigten. Die Zentralregierung führte die Verwaltung in Tibet weiter auf der in den Dynastien Yuan, Ming und Qing gelegten Basis durch. Im Jahr 1912 richtete die Zentralregierung das Amt für mongolische und tibetische Angelegenheiten ein (1914 umbenannt in „Rat für mongolische und tibetische Belange“, das verantwortlich war für die lokalen Angelegenheiten in Tibet. Ferner setzte die Zentralregierung Beamte in Tibet ein. 1927 wurde in Nanjing die Nationalregierung der Republik China gebildet, und zwei Jahre später setzte die Regierung eine Mongolisch-Tibetische Kommission ein, die für die administrativen Angelegenheiten von Tibetern, Mongolen und anderen nationalen Minderheiten zuständig war. Im Jahr 1940 errichtete die Nationalregierung der Republik China in Lhasa eine Vertretung der Mongolisch-Tibetischen Kommission als ständiges Organ der Zentralregierung in Tibet. Die tibetische Lokalregierung wählte mehrmals Beamte zur Teilnahme an den Abgeordneten-Versammlungen der Nationalregierung der Republik China aus. Während der Republik China gab es Unruhen im Inneren und Inovasionen von außen, was die Zentralregierung schwächte. Trotzdem akzeptierten der Dalai Lama und der Panchen Erdini weiterhin die ihnen von der Zentralregierung verliehenen Titel. Als der 14. Dalai Lama Lhamo Dondrup 1940, sieben Jahre nach dem Tod des 13. Dalai Lama, die Nachfolge antrat, wurde dies vom Vorsitzenden der Nationalregierung der Republik China genehmigt. Die Gründung des neuen Tibets Im Jahr 1949 wurde die Volksrepublik China gegründet. Ausgehend von den historischen und aktuellen Verhältnissen beschloß die Zentrale Volksregierung Richtlinien zur friedlichen Befreiung Tibets. Am 23. Mai 1951 unterzeichneten die Vertreter der Zentralen Volksregierung und der tibetischen Lokalregierung das „Abkommen der Zentralen Volksregierung und der tibetischen Lokalregierung über Maßnahmen zur friedlichen Befreiung Tibets“, ein 17-Punkte-Abkommen, das im wesentlichen aus zwei Inhalten bestand: Einerseits bekräftigte es die Forderungen der Zentralen Volksregierung an die tibetische Lokalregierung, die Volksbefreiungsarmee beim Einmarsch in Tibet aktiv zu unterstützen, die Landesverteidigung zu verstärken, die Kräfte des Imperialismus zu vertreiben, alle auswärtigen Angelegenheiten der Region Tibet von der Zentralen Volksregierung einheitlich regeln zu lassen und die tibetischen Truppen Schritt für Schritt in die Volksbefreiungsarmee einzugliedern. Andererseits wurde darin versichert, keine Veränderungen des politischen Systems in Tibet und der besonderen Stellung und Kompetenzen des Dalai Lama vorzunehmen, die Sitten und Gebräuche der tibetischen Bevölkerung zu respektieren, die Religionsfreiheit zu gewährleisten, gesellschaftliche Reformen durch Vereinbarungen mit der tibetischen Führung durchzuführen und eine Politik der regionalen Autonomie der Nationalitäten zu praktizieren. Der Dalai Lama und der Panchen Erdini sandten dem Vorsitzenden der Zentralen Volksregierung, Mao Zedong, Telegramme, in denen sie die Unterstützung des 17-Punkte-Abkommens zusagten und ihre Entschlossenheit bekräftigten, die Einheit der Souveränität des Vaterlandes zu verteidigen. Die geistliche und weltliche Bevölkerung Tibets aller Ebenen und die tibetische Lokalregierung unterstützen das Abkommen entschieden, hieß es im Telegramm des Dalai Lama. Von da an begann für die tibetische Geschichte eine neue Phase. Im Jahr 1954 kamen der Dalai Lama und der Panchen Erdini gemeinsam nach Beijing zur Teilnahme am 1. Nationalen Volkskongreß der Volksrepublik China, auf dem der Dalai Lama zum Vorsitzenden und der Panchen Erdini zum Mitglied des Ständigen Ausschusses des Nationalen Volkskongresses gewählt wurden. Im Jahr 1956 wurde das Vorbereitungskomitee des Autonomen Gebiets Tibet gegründet, dessen Vorsitz der Dalai Lama übernahm. Im März 1959 entfesselten die meisten Galoins der tibetischen Lokalregierung und eine reaktionäre Clique der Oberschicht eine bewaffnete Rebellion zur Spaltung des Vaterlandes, zur Aufrechterhaltung der feudalistischen Leibeigenschaft und zum Kampf gegen demokratische Reformen. Die Zentrale Volksregierung erteilte der in Tibet stationierten Volksbefreiungsarmee den Befehl, die Rebellion entschieden niederzuwerfen. Am 28. März gab Ministerpräsident Zhou Enlai Order, die tibetische Lokalregierung aufzulösen. Mit den Befugnissen der Lokalregierung wurde das Vorbereitungskomitee des Autonomen Gebiets Tibet betraut. Sodann entsprach die Zentrale Volksregierung dem Willen des tibetischen Volkes, demokratische Reformen durchzuführen und das feudale System der Leibeigenschaft abzuschaffen. Alle Leibeigenen und Sklaven wurden befreit. Nach einer stabilen Entwicklung von einigen Jahren wurde im September 1965 das Autonome Gebiet Tibet offiziell ins Leben gerufen.
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