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Dr. Gabriele Minz: „Young Euro Classic steht mit China in einem langjährigen kulturellen Austausch."
2019/11/01

Seit 20 Jahren bereits verzaubern junge Künstler aus der ganzen Welt das Berliner Publikum mit klassischer Musik und einem flammenden Bekenntnis zu Europa: Die Rede ist vom Festival „Young Euro Classic“, das alljährlich im Sommer im Konzerthaus am Gendarmenmarkt für Furore sorgt. Diesen Dezember findet eine ungewöhnliche Uraufführung statt: Richard Wagners „Ring der Nibelungen“ als Pekingoper! Das Diplomatische Magazin sprach mit Dr. Gabriele Minz, die die Young Euro Classic bereits seit zwei Jahrzehnten leitet, über diese neuartige, glühende, künstlerische Synthese.

Frau Dr. Minz, dieses einzigartige Musiktheater-Projekt ist ein wichtiger Bestandteil der Veranstaltungen zu 25 Jahre Städtepartnerschaft zwischen Peking und Berlin. Sie haben es mitinitiiert. Auf was darf das Publikum sich freuen?

Auf einen spannenden Dialog zweier sehr verschiedenartiger Kulturen! Wagners Werk ist der thematische Ausgangspunkt. Die Regisseurin Anna Peschke, die die Idee zu dieser Ko-Produktion hatte, verbindet ihren poetisch-visuellen Stil mit der ausdrucksstarken Peking-Opern-Ästhetik zu einer neuen Theatersprache. Neben die bei uns gängigen Elemente Gesang, Rezitation und Schauspiel treten Tanz, Akrobatik, Kampfkunst und Pantomime. Die beiden Komponistinnen aus Europa und aus China lassen mit traditionellen chinesischen und mit europäischen Instrumenten neue musikalische Klangwelten entstehen. Die großartigen Darsteller kommen von der bekannten China National Peking Opera Company und aus Deutschland. Gemeinsam vermitteln sie den Zuschauern die großen, immer aktuellen Themen des Nibelungen-Mythos. Ein wirkliches Experiment und eine Kooperation auf Augenhöhe.

Sie leiten Young Euro Classic, ein einzigartiges internationales Musikfestival, das seit 20 Jahren die besten Jugendorchester der Welt im Konzerthaus Berlin zusammenbringt. Was ist das Besondere daran? Und welche Rolle spielt China für das Festival?

Das Motto von Young Euro Classic heißt: „Hier spielt die Zukunft“. Das Festival gilt seit 2000 als die weltweit wichtigste Plattform für den internationalen Orchesternachwuchs. Für die Künstler ist der Auftritt im Konzerthaus eine besondere Herausforderung und Chance – für das begeisterungsfähige Publikum eine musikalische Weltreise, verbunden mit drei Wochen Enthusiasmus pur. Chinesische Orchester waren fast immer beim Festival dabei: In diesem Jahr das erst zwei Jahre alte National Youth Orchestra of China mit über 100 Musikerinnen und Musikern. Dargeboten haben sie zwei monumentale Werke von Beethoven und Schostakowitsch und zwei Werke von Tan Dun und Xiaogang Ye. Durch das Programm wurde eine spannende Brücke zwischen China und Europa geschlagen, was vom Publikum begeistert aufgenommen wurde. Seit 2006 haben wir regelmäßig deutsch-chinesische Orchester gegründet, in denen die jungen Musiker gemeinsam Werke einstudieren und aufführen. Höhepunkte waren Konzerte zu den Jahrestagen der diplomatischen Beziehungen China-Deutschland in Anwesenheit der politischen und wirtschaftlichen Spitzen beider Länder. Young Euro Classic steht auch mit China in einem langjährigen kulturellen Austausch.

Warum hat klassische Musik Ihrer Meinung nach einen solch hohen Stellenwert in China?

In China ist Musik tief in der Kultur verwurzelt. Das „Buch der Lieder“ wurde zwischen 1000 und 600 v. Chr. geschrieben und gehört zu den Klassikern der chinesischen Literatur. Während der „Kulturrevolution“ wurde diese Tradition unterdrückt. Umso stärker hat sich ein breites Interesse in den Folgejahrzehnten herausgebildet. Heute touren westliche Orchester regelmäßig durch China. In den letzten 10 Jahren wurden dort beeindruckende Konzertsäle gebaut, für Hochkultur wird viel Geld ausgegeben. Die Stars der internationalen Klassik-Szene spielen in ausverkauften Häusern und werden gefeiert, wie Popstars. Vor allem jüngere Menschen sind an klassischer Musik sehr interessiert – heute wachsen sehr viele Kinder in China mit Musik auf. Um die Zukunft des Klassik-Publikums in China müssen wir uns keine Sorgen machen.

INTERVIEW Markus Feller

                                                                                                                                                                      Quelle: Diplomatische Magazin    

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