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Ansprache von Botschafter Wu Ken anlässlich des Online-Festaktes zum 72. Jahrestag der Gründung der VR China
2021/09/27

Sehr geehrter Herr Bundeskanzler a.D. Schröder,

Sehr geehrter Herr Staatssekretär Berger,

Sehr geehrter Herr Kaeser,

Sehr geehrte Damen und Herren,

Liebe Gäste,

aufgrund der fortwährenden Pandemie begehen wir auch in diesem Jahr das Gründungsjubiläum der Volksrepublik China online. Ich darf Sie zunächst herzlich willkommen heißen auf unserer Sonderwebseite und ich lade Sie herzlich dazu ein, Chinas Vielfalt am Bildschirm zu erleben.

Für China ist 2021 ein besonderes Jahr in vielerlei Hinsicht. Vor knapp drei Monaten haben wir das 100-jährige Bestehen der Kommunistischen Partei Chinas gefeiert. In diesem Jahr haben wir auch angekündigt, die absolute Armut beseitigt zu haben. Das ist in der langen Geschichte Chinas eine einzigartige Errungenschaft. Seit der Reform und Öffnung ist es der chinesischen Regierung gelungen, insgesamt mehr als 800 Mio. Menschen aus der Armut zu befreien und in diesem Jahr eine Gesellschaft mit bescheidenem Wohlstand für alle aufzubauen. Wir sind heute da angelangt, wovon das chinesische Volk vor 100 Jahren nicht mal gewagt hätte, zu träumen. Das 1. Jahrhundertziel ist damit erfolgreich erreicht worden.

Die Deutschen sagen gerne: Nach dem Spiel ist vor dem Spiel. So wissen wir genau: 2021 ist längst nicht die Endstation, es ist vielmehr ein neuer Startpunkt. China steht auch noch ein langer Entwicklungspfad bevor. Dazu haben wir den 14. Fünfjahresplan mit Blick auf 2035 aufgestellt, indem die Leitgedanken formuliert und politischen Schwerpunkte für die kommenden Jahre gesetzt werden. Diese Entwicklungsblaupause enthält viele große Aufgaben und vor allem ist sie richtungsweisend. Wenn man China und sein Zukunftskonzept richtig verstehen will, lohnt sich ein Blick in den Plan.

China war in den letzten Dekaden bekannt für sein hohes Wachstumstempo, worauf wir auch stolz sind. Auch 2021 lässt sich Chinas Wirtschaftswachstum nicht bremsen. In der ersten Jahreshälfte stieg Chinas BIP um 12,7% und für das ganze Jahr wird der IWF-Statistik zufolge ein Wachstum von 8,4% prognostiziert. Aber wir wissen: Wachstum allein reicht nicht. Statt Quantität setzen wir nun mehr auf Qualität der Entwicklung und ein ausgewogeneres Verhältnis zwischen Wirtschaft und Natur. Wir freuen uns, nächsten Monat in Kunming bei der 15. Vertragsstaatenkonferenz des Übereinkommens über die biologische Vielfalt Gastgeber zu sein und hoffentlich können wir dadurch einen starken Impuls für die Weltklimakonferenz in Glasgow und den weltweiten Klimaschutz geben. Wir alle sitzen in einem Boot. Das Klima läßt sich nur retten, wenn alle Länder zusammenarbeiten und dazu sind wir bereit.

Ich weiß, manche China-Kritiker haben uns vorgeworfen, sich mit dem doppelten Wirtschaftskreislauf wieder abzuschotten. Tatsächlich gehört Offenheit aber längst zur neuen Entwicklungsphilosophie Chinas. Allein das Wort Offenheit wurde mehr als 80 mal in dem 14. Fünfjahresplan erwähnt. Als die größte Handelsnation der Welt lebt China vom offenen Handel. Dass China eine offene Wirtschaft bleibt, ist daher für uns keine Option, sondern ein Muss. Fakten sprechen lauter als Worte. Einer neuen Umfrage zufolge planen mehr als 70% der deutschen Unternehmen in China, ihre Investitionen weiter aufzustocken. Diese optimistische Stimmungslage spricht klar dafür, dass sich Chinas Wirtschaft nicht abschottet, sondern weiter öffnet. Künftig wird die chinesische Regierung auch alles dransetzen, um das Geschäftsumfeld immer fairer, transparenter und investitionsfreundlicher zu gestalten.

Liebe Freunde,

wenn wir aus der Pandemie eine Lehre ziehen können, dann die von der Notwendigkeit der internationalen Zusammenarbeit. Auch wenn die zwischenmenschlichen Begegnungen enorm belastet wurden, haben sich die chinesisch-deutschen Beziehungen in diesem Jahr weiter entwickelt. In den ersten drei Quartalen hat sich Staatspräsident Xi viermal mit Bundeskanzlerin Merkel virtuell oder telefonisch ausgetauscht. Im April fanden die ersten virtuellen Regierungskonsultationen statt. Die beiden Außenministerien stehen zu vielen wichtigen internationalen Fragen in ständigem Kontakt. Mehr als 1200 Deutsche Unternehmer und Familienangehörigen sind mit dem Fast-Track-Verfahren nach China geflogen, um u.a. an ihre Arbeitsplätze zurückzukehren. Dank gegenseitiger Unterstützung haben beide Länder die Bewährungsprobe der Pandemie gut bestanden und die bilateralen Beziehungen stets auf einem stabilen Pfad beibehalten. Dennoch können wir uns keine Leichtsinnigkeit leisten und die guten Beziehungen als Selbstverständlichkeit wahrnehmen. Vielmehr müssen wir uns gemeinsam gegen die Infodemie stemmen und für ein besseres Miteinander kämpfen.

Nicht nur bilateral, sondern auch multilateral müssen wir zusammenhalten. Mit Sorge stellen wir fest, dass es weltweit noch eine große Immunitätslücke gibt. Als das größte Entwicklungsland der Welt kann und wird China nicht tatenlos zusehen. Staatspräsident Xi Jinping hat vor kurzem bereits angekündigt, dass China 2021 insgesamt 2 Milliarden Impfdosen exportieren und 100 Mio. Dollar an COVAX spenden wird, um die Verfügbarkeit der Impfstoffe vor allem in den Entwicklungsländern zu verbessern. Die G20, der China und Deutschland angehören, wird in einem Monat über die globale Pandemiebekämpfung und Impfstoffverteilung auf höchster Ebene beraten. Es steht zu hoffen, dass der Gipfel in Rom ein positives Signal für die internationale Zusammenarbeit im Kampf gegen die Pandemie senden wird.

Meine Damen und Herren,

Die Bundestagswahl fand gestern statt. Sie wurde auch von uns mit großem Interesse verfolgt. Die chinesische Position ist klar: Unabhängig davon, welche Regierungskoalition sich am Ende herausbildet, vertrauen wir darauf, dass die neue Bundesregierung weiterhin eine konsistente und kooperative China-Politik verfolgt. Ich bin stets der festen Überzeugung, dass Meinungsunterschiede keine Stolpersteine für den Weg nach vorn sein müssen. Vielmehr sind sie Prüfsteine für Verständnis und Freundschaft. Trotz der unterschiedlichen politischen Systeme und Kulturen haben beide Länder in der Vergangenheit eng zusammengearbeitet und die Prüfungen der Zeit gut bestanden, zum Wohle der beiden Völker und der ganzen Welt. Das können und müssen wir weiterhin tun, um mehr Stabilität und Berechenbarkeit für die Welt zu schaffen, aber auch um dem 50. Jubiläum der Aufnahme diplomatischer Beziehungen 2022 gerecht zu werden. Dazu brauchen wir, meine Damen und Herren, auch Ihre Unterstützung!

Die Olympischen Sommerspiele in Tokio sind vor kurzem zu Ende gegangen. Nun wurde die Fackel quasi an Beijing weitergegeben und die Vorbereitungen für die Winterspiele 2022 laufen jetzt auf Hochtouren. Die IOC-Entscheidung, das hundert Jahre alte Olympische Motto “Faster, Higher, Stronger” durch “Together” zu bereichern, hat meines Erachtens eine übergreifende Bedeutung. Gerade jetzt, wo sich China und Deutschland vor neuen historischen Aufgaben befinden und die Welt vor neuen Herausforderungen steht, sind Solidarität und internationale Zusammenarbeit mehr denn je gefragt. In diesem Sinne plädiere ich für weiterhin gute Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern im Olympischen Geiste und wünsche mir, dass sie sich schneller, höher und stärker entwickeln - und eben auch gemeinsam.

Vielen Dank!

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